Ernährung bei Kurzdarmsyndrom
Ernährung bei Kurzdarmsyndrom
Ernährung bei Kurzdarmsyndrom

Ernährung bei Kurzdarmsyndrom: Wissenswertes und Tipps

Besitzt der Dünndarm - angeboren oder durch eine Operation - nur einen Bruchteil seiner normalen Länge, ist die Verdauungsleistung häufig stark eingeschränkt. Können dadurch lebensnotwendige Nährstoffe, wie z.B. Vitamine, Mineralien und Flüssigkeit, nicht in ausreichendem Maß aus dem Darm aufgenommen werden, spricht man vom Kurzdarmsyndrom.

Die Ernährung ist bei einem Kurzdarmsyndrom Herausforderung und Schlüssel zugleich. Mit der richtigen Ernährung lassen sich Symptome lindern und schwerwiegende Folgen, wie z.B. Gewichtserverlust und Mangelernährung, vermeiden. Dennoch ist es für Betroffene nicht einfach, den Körper über die normale Ernährung mit ausreichend Nährstoffen zu versorgen. Denn es ist oft schwierig, Lebensmittel zu finden, die auch gut vertragen werden. Die Verträglichkeit wird hierbei sehr stark von der Länge des übrigen Darms sowie dem Teil des entfernten Darmabschnitts beeinflusst. Die Ernährungsmaßnahmen müssen daher stets an die verbliebene Aufnahmefähigkeit des Restdarms angepasst werden und sind sehr individuell. So ist es möglich, dass Betroffene den Nährstoffbedarf - nach einer gewissen Zeit der Gewöhnung - oral über die normale Ernährung decken können oder auf eine ergänzende oder sogar vollständige künstliche Ernährung mit Trink- und Sondennahrung (enteral) bzw. mit parenteraler Ernährung angewiesen sind.

Lesen Sie hier Wissenswertes rund um die Ernährung bei Kurzdarmsyndrom und erhalten Sie Tipps, wie Sie die Ernährungstherapie durch die richtige Auswahl von Nahrungsmitteln unterstützen können.

Kurzdarmsyndrom: Ursachen und Symptome

Der Dünndarm ist ein sehr wichtiger Teil des menschlichen Verdauungstraktes und in der Regel fünf bis sechs Meter lang. Er dient der Verdauung und Aufnahme von Nährstoffen und Flüssigkeit. Das Kurzdarmsyndrom (kurz KDS, englisch „Short Bowel Syndrome“) ist eine seltene Erkrankung, die meist durch die chirurgische Entfernung von Dünndarmabschnitten entsteht, z.B. aufgrund von

Sehr selten kommt es auch zu einem teilweisen Funktionsverlust des Darmes (funktioneller Kurzdarm), z.B. infolge von Bestrahlung im Bauchraum oder chronischen Infektionen bei Immunschwäche. 

Die Symptome des Kurzdarmsyndroms sind geprägt von Problemen bei der Nährstoffaufnahme (Malabsorption). Betroffene mit Kurzdarmsyndrom leiden unter anderem an

  • massivem Durchfall,
  • Fettverwertungsstörungen mit Fettstühlen (Steatorrhoe),
  • Gewichtsverlust,
  • Mangelernährung,
  • Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz),
  • Nierensteinen,
  • Mangelerscheinungen wie Anämie oder Osteoporose.

Welchen Einfluss hat das Kurzdarmsyndrom auf die Ernährung?

Bei einem Kurzdarmsyndrom rückt die Ernährung schnell ins Blickfeld der Betroffenen. Denn liegt ein Kurzdarmsyndrom vor, ist die Nährstoffaufnahme durch den verbliebenen Darmabschnitt oft stark eingeschränkt. Die Ausprägung des Funktionsausfalls ist davon abhängig, welcher Darmabschnitt betroffen ist und wie viel vom Darm entfernt wurde. Ein Mangel an Energie, Eiweiß, Fett, Flüssigkeit sowie Vitaminen und Mineralstoffen ist häufig die Folge.

Das Kurzdarmsyndrom wird in der Regel medikamentös sowie mit einer individuell angepassten Ernährungstherapie behandelt, um eine optimale Versorgung mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen zu gewährleisten und Symptome zu lindern.

Dies kann auch den Einsatz von künstlicher Ernährung mit medizinischer Trinknahrung, enteraler Ernährung über eine Sonde sowie parenteraler Ernährung einschließen. Bleibt die Problematik bei der Nährstoffaufnahme und -verwertung nach einer gewissen Phase der Anpassung des Verdauungstrakts dauerhaft bestehen, sind Bertoffene meist ein Leben lang auf die künstliche Ernährung angewiesen. 

Nach der Darmoperation: Wie reagiert der Restdarm auf die neue Situation?

In der Zeit nach der operativen Entfernung des Darmes, versucht der Verdauungstrakt, sich an die neue Situation anzupassen. Mediziner sprechen hier von drei postoperativen Phasen, in denen die Ernährung kontinuierlich an die individuelle Situation der Betroffenen adaptiert werden muss. Aber auch Jahre nach der Operation können Veränderungen auftreten, die eine Anpassung der Ernährungstherapie oder der Essgewohnheiten erforderlich machen.

Phase der Hypersekretion

Diese Phase ist geprägt durch übermäßige Flüssigkeits- und Elektrolytverluste infolge von massiven Durchfällen, die in der Regel nach ein bis vier Wochen abklingen. Für Betroffene ist diese Zeit oft sehr kräftezehrend.

Phase der Adaption

Adaption bedeutet „Anpassung“. Der verbliebene Restdarm kann sich oft gut an die neuen Gegebenheiten anpassen und teilweise die Aufgaben der entfernten Darmabschnitte übernehmen, wie z.B. die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen. Aber: Es braucht Geduld.

Phase der Stabilisation

In dieser Phase stabilisieren sich die Verdauungsprozesse in der Regel und es kommt weniger zu Durchfällen und Fettstühlen. Wie sich dieser Zustand darstellt, ist sehr individuell - optimalerweise kann zur normalen Ernährung zurückgekehrt werden.

Ernährungstherapie in den verschiedenen Phasen des Kurzdarmsyndroms

Das Kurzdarmsyndrom erfordert eine spezielle und vor allem individuell angepasste Ernährungsstrategie, die die Funktionalität und Aufnahmefähigkeit des Restdarms berücksichtigt. Die Ernährungsempfehlungen orientieren sich hierbei an den drei vorgestellten postoperativen Phasen. Bei allen Überlegungen für eine individuell angepasste Ernährungstherapie gilt der Grundsatz: „If the gut works, use it“. Das bedeutet, dass die Ernährung, wann immer möglich, oral erfolgen sollte und bei Bedarf mit Nahrungssupplementen, wie Trinknahrung, ergänzt werden kann. Ist die orale Nahrungsaufnahme nicht möglich bzw. nicht bedarfsdeckend, wird die enterale Ernährung über eine Sonde empfohlen. Nur wenn der Darm nicht funktionsfähig ist, sollte die parenterale Ernährung in Betracht gezogen werden. 

Der Übergang zwischen den verschiedenen Phasen ist fließend und meist nur schwer voneinander abzugrenzen. Der zeitliche Verlauf der Phasen des Kurzdarmsyndroms stellt daher nur eine grobe Orientierung dar. 

Ernährungstherapie in der Phase der Hypersekretion

Etwaiger zeitlicher Verlauf: Ca. 1-4 Wochen nach der Operation.

Ernährungstherapie: 

  • Nach der Operation erfolgt die Nährstoff- und Flüssigkeitszufuhr zur Vermeidung von Mangelernährung und Austrocknung (Dehydration) zunächst parenteral per Infusion über die Vene.
  • Sobald möglich, sollte mit einer minimalen enteralen Ernährung über Sonde begonnen werden, um einem Absterben der Darmzotten vorzubeugen. Vorgehen: ca. 250 ml ballaststofffreie Sondennahrung über 24 Stunden mit Ernährungspumpe.

Ernährungstherapie in der Phase der Adaption

Etwaiger zeitlicher Verlauf: Ca. 4 Wochen bis 24 Monate nach der Operation.

Ernährungstherapie:

  • Sicherstellung der bedarfsdeckenden Nährstoffzufuhr durch parenterale Ernährung über die Vene.
  • Ergänzend enterale Ernährung über die Sonde mit Ernährungspumpe.
  • Alternativ kann auch Trinknahrung - in kleinen Schlucken getrunken - zum Einsatz kommen.
  • Bei guter Verträglichkeit der Trink- bzw. Sondennahrung sollte der orale Kostaufbau begonnen werden.

Ernährungstherapie in der Phase der Stabilisation bzw. chronische Phase

Etwaiger zeitlicher Verlauf: Ca. 1 Jahr nach der Operation.

Ernährungstherapie:

  • Ziel: Aufrechterhalten eines guten Ernährungszustandes.
  • Kostaufbau nach individueller Verträglichkeit (leichte Vollkost).
  • Ergänzender Einsatz von Trinknahrung, Sondennahrung oder parenteraler Ernährung, wenn der Nährstoffbedarf über die normale Ernährung nicht gedeckt werden kann. Vor allem Elektrolyt- und Flüssigkeitsverluste müssen häufig parenteral ausgeglichen werden.
Parenterale Ernährung bei Kurzdarmsyndrom

Parenterale Ernährung bei Kurzdarmsyndrom

Unmittelbar nach der Darmoperation bzw. in der Anfangsphase des Kurzdarmsyndroms (Hypersekretionsphase) ist die parenterale Ernährung eine wichtige, lebenserhaltende Therapie, um die Versorgung des Körpers mit ausreichend Energie, Nährstoffen und Flüssigkeit sicherzustellen.

Die Ernährungsinfusionen werden hierbei über eine periphere Vene, einen zentralvenösen Katheter (ZVK) oder über einen Port verabreicht und sollten nach Möglichkeit nur eine Übergangslösung darstellen, bis der Darm seine Funktionsfähigkeit wiedererlangt hat. Für viele Betroffene ist die parenterale Ernährung jedoch ein lebenslanger Begleiter, der meist ergänzend zur normalen Ernährung zum Einsatz kommt, um einen Gewichtsverlust sowie eine Mangelernährung zu vermeiden bzw. aufzufangen. 

Enterale Ernährung bei Kurzdarmsyndrom

In den ersten Tagen und Wochen nach der Darmoperation ist der verbliebene Restdarm meist noch nicht in der Lage, ausreichend Nährstoffe aufzunehmen. Daher kommt in dieser Phase meist die parenterale Ernährung zum Einsatz. Um die Funktionsfähigkeit der Verdauungsorgane zu erhalten und ein Absterben der Darmzotten zu vermeiden, sollte jedoch so früh wie möglich mit einer minimalen enteralen Ernährung über eine Ernährungssonde begonnen werden. Je nach Verträglichkeit kann die enterale Ernährung sukzessive gesteigert werden und die parenterale Ernährung ggf. gänzlich ablösen. Zumeist wird parallel zur enteralen Ernährung schrittweise mit dem oralen Kostaufbau begonnen.

Für die Sondenernährung kann es bei ausgeprägten Resorptionsstörungen bei Kurzdarmsyndrom sinnvoll sein, sogenannte niedermolekulare Sondennahrungen einzusetzen. Diese enthalten bereits leicht verwertbare Nährstoffe und können so besser vom Restdarm verdaut und aufgenommen werden. Bei Fettverwertungsstörungen können Nahrungen mit MCT-Fetten (mittelkettige Triglyceride) hilfreich sein.

Produktbeispiel für niedermolekulare Sondennahrungen mit einem hohen Anteil an MCT-Fetten sind z.B.

  • DOLPINA® Peptid von DOLP Medical,
  • Survimed® OPD HN von Fresenius Kabi,
  • Peptamen® oder Peptamen® HN PHGG von Nestlé Health Science,
  • Nutrison® advanced Peptisorb oder Nutrison® Peptisorb Plus HEHP von Nutricia,
  • Nutricomp® Peptid von B. Braun.
Trinknahrung bei Kurzdarmsyndrom

Trinknahrung bei Kurzdarmsyndrom: Mangelernährung vorbeugen

Kann die Energie- und Nährstoffzufuhr durch die normale Ernährung bei einem Kurzdarmsyndrom nicht ausreichend gedeckt werden, bietet sich als unterstützende Lösung hochkalorische Trinknahrung an. Die Kraftpakete enthalten alle lebenswichtigen Nährstoffe wie Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in einem ausgewogenen Verhältnis und sind aufgrund ihrer Zusammensetzung als alleinige Nahrungsquelle geeignet. 

Ziel einer Ernährungstherapie mit Trinknahrung ist es, möglichst frühzeitig einem Gewichtsverlust sowie einer Mangelernährung entgegenzuwirken und die mit der Erkrankung einhergehenden Beschwerden zu lindern.

Aufgrund der flüssigen Konsistenz kann hochkalorische Trinknahrung von Betroffenen bei Kurzdarmsyndrom oftmals leichter aufgenommen werden als feste Speisen. Zudem können neutrale Geschmacksvarianten auch sehr gut zum Kochen energiereicher Mahlzeiten verwendet werden.

Diese hochkalorischen und ballaststofffreien Trinknahrungen sind bei einem Kurzdarmsyndrom geeignet:

  • Lovital® complete energy 2.0 von CuraProducts,
  • Fresubin® 2 kcal Drink von Fresenius Kabi,
  • Resource® energy von Nestlé Health Science,
  • Fortimel® 1,5 kcal von Nutricia.

Ist die Verdauungsleistung des Restdarms stark eingeschränkt, kann der Einsatz einer niedermolekularen Trinknahrung sinnvoll sein. Die Hauptnährstoffe, wie z.B. Eiweiß oder Fette, sind bereits aufgespalten, so dass diese vom Körper leichter verwertet werden können. Zudem sind bei stark eingeschränkter Fettverdauung fettfreie Trinknahrungen eine hilfreiche Option zur Nahrungsunterstützung.

Produktbeispiele für niedermolekulare Trinknahrungen bei Kurzdarmsyndrom:

  • Survimed® OPD Drink von Fresenius Kabi,
  • Peptamen® Drink von Nestlé Health Science,
  • Elemental® 028 von Nutricia.

Produktbeispiele für fettfreie Trinknahrungen bei Kurzdarmsyndrom:

  • Fortimel®  Jucy Plus 1.5 kcal von Nutricia,
  • ProvideXtra® Drink von Fresenius Kabi,
  • Resource® ultra fruit von Nestlé Health Science.

Tipps für die orale Ernährung bei Kurzdarmsyndrom

In der Adaptionsphase bzw. Stabilisationsphase kann – abhängig vom Krankheitsverlauf – behutsam mit der oralen Nahrungsaufnahme begonnen werden. Eine einheitliche und allgemeingültige Diät gibt es bei Kurzdarmsyndrom nicht. Vielmehr gilt es, die natürliche Ernährung an die veränderte Situation anzupassen. Gerade zu Beginn ist es ein Ausprobieren, was vertragen wird und was guttut oder was gemieden werden sollte. Hierbei hilft es, ein Ernährungstagebuch zu führen, um individuelle Unverträglichkeiten von Lebensmitteln und Getränken feststellen zu können.

Wir haben Ihnen nachfolgend einige Ernährungstipps zusammengestellt, die bei der oralen Ernährung hilfreich sein können und Sie dabei unterstützen, eine ausreichende Energie- und Nährstoffzufuhr bei einem Kurzdarmsyndrom sicherzustellen.  

Leicht verdauliche Vollkost

Leichte Vollkost bei Kurzdarmsyndrom

Nach der Operation beginnt der Kostaufbau mit einer ballaststoffarmen, fettarmen, leicht verdaulichen Kost. Hierzu eignen sich beispielsweise folgende Lebensmittel und Speisen:

  • Klare Brühe bzw. leichte Suppen
  • Zwieback, Toast und Weißbrot
  • Bananen
  • Naturjoghurt
  • Milchbreie
  • Reis
  • Kartoffelpüree
  • Leichte Gemüsesorten, wie gekochte Karotten, Zucchini, Kürbis, Schwarzwurzeln oder Spargel
  • Gekochtes Fleisch
  • Gedünsteter Fisch. 

Meiden Sie vor allem

  • fettreiche und frittierte Lebensmittel, da diese die Durchfälle verschlimmern können,
  • sehr ballaststoffhaltige und blähende Lebensmittel, wie z.B. Hülsenfrüchte, Kohlgemüse, frisches Obst, Erbsen, grüne Bohnen, Rohkostsalat, Kohlrabi, Pilze.

Eiweißreiche Ernährung

Eiweißreiche Ernährung bei Kurzdarmsyndrom

Eiweiß ist ein unentbehrlicher Nährstoff für unseren Organismus, denn er spielt bei vielen Prozessen eine entscheidende Rolle. Da bei einem Kurzdarmsyndrom Nährstoffe oft nicht mehr im gleichen Umfang verdaut und resorbiert werden können wie bei Gesunden, kann folglich ein Nährstoffmangel entstehen. Liegt ein Eiweißmangel vor, kann dies gravierende Auswirkungen haben, wie z.B.:

  • Abbau von Muskelmasse,
  • erhöhte Infektanfälligkeit,
  • nachlassende körperliche und geistige Leistungsfähigkeit,
  • Wundheilungsstörungen
  • sowie Mangelernährung.

Betroffene mit einem Kurzdarmsyndrom sollten deshalb bei der Ernährung auf eine ausreichende Eiweißversorgung achten. Günstige Eiweißlieferanten sind

  • mageres Fleisch, wie z.B. Geflügel oder Kalb,
  • Fisch,
  • fettarmer Käse und Quark.

Werden Milch und Milchprodukte aufgrund des hohen Laktosegehaltes (Milchzucker) schlecht vertragen, nutzen Sie laktosefreie Sojaprodukte oder fermentierte Milchprodukte (wie z.B. Joghurt oder Kefir).

Zur Unterstützung der Eiweißzufuhr kann es sinnvoll sein, die Ernährung mit Eiweißkonzentraten, wie z.B. lovital® Pro 8.5 von CuraProducts oder Resource® instant protein von Nestlé Health Science zu ergänzen.

Zudem kann der Einsatz von hochkalorischer und eiweißreicher Trinknahrung sowohl Energie- als auch Eiweißlücken zuverlässig schließen und so die Nährstoffaufnahme erleichtern. Geeignet sind hier beispielsweise folgende eiweißreiche Trinknahrungen:

  • lovital® complete energy 2.0 von CuraProducts,
  • Fresubin® 2 kcal Drink von Fresenius Kabi,
  • Fortimel® Protein 2 kcal von Nutricia,
  • Resource® protein von Nestlé Health Science.

Energiereiche Ernährung

Achten Sie bei jeder Mahlzeit auf eine angemessene Kalorienzufuhr, da der Energiebedarf bei Betroffenen mit einem Kurzdarmsyndrom deutliche erhöht sein kann und Nährstoffe zudem oft schlechter verwertet werden können als bei gesunden Menschen. Bei einer Entfernung von mehr als 50% des Darms kann sich der Energiebedarf daher bis auf das Doppelte erhöhen. 

Mit folgenden Tipps können Sie Ihre Mahlzeiten mit Kalorien anreichern, um Energielücken und somit eine Mangelernährung zu vermeiden:

  • Aber bitte mit Sahne…. Reichern Sie Speisen mit Extrakalorien an, wie z.B. durch Zugabe von Sahne, Butter, Öl, Honig.
  • Tauschen Sie Haushaltszucker zum Süßen von Speisen und Getränken gegen Traubenzucker aus. Traubenzucker hat den gleichen Kaloriengehalt wie Haushaltszucker, aber nur die halbe Süßkraft. Auf diese Weise können Sie die doppelte Menge Zucker und somit Energie zuführen, um den gleichen Süßungsgrad zu erhalten.
  • Fette sind wichtige Energielieferanten. Kommt es zu Unverträglichkeiten wie z.B. Fettstühlen, können herkömmliche Fette in der Nahrung durch leicht verdauliche MCT-Fette (mittelkettige Triglyzeride) ersetzt werden. Diese speziellen Fette sind z.B. in Reformhäusern als Öle (z.B. Kokosöl), Margarine und in Speziallebensmitteln auch verarbeitet (z.B. Schmelzkäse, Nuss-Nougat-Creme usw.) erhältlich.
  • Die Verdauung und Verträglichkeit – v.a. von Fett – kann durch die Einnahme von Pankreasenzymen zu jeder Mahlzeit meist deutlich verbessert werden. Sprechen Sie hierüber ggf. mit Ihrem behandelnden Arzt.

Fällt es Ihnen dennoch schwer, ausreichend Energie zu sich zu nehmen, dann ergänzen Sie die Ernährung mit hochkalorischer Trinknahrung ohne Ballaststoffe, wie z.B. mit lovital® complete energy 2.0 von CuraProducts, Fresubin® 2 kcal Drink von Fresenius Kabi, Resource® energy von Nestlé Health Science oder Fortimel® energy von Nutricia. 

Die energiereichen Trinkmahlzeiten können Sie nicht nur bei der Deckung des Energiebedarfes unterstützen, sondern enthalten auch alle lebenswichtigen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Sie können Trinknahrung nicht nur pur genießen, sondern mit dieser auch leckere Speisen und Getränke zubereiten. Auch für unterwegs sind Trinknahrungen wertvolle und praktische Unterstützer. 

Vitamin- und mineralstoffreich essen

Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente können bei einem Kurzdarmsyndrom oft nicht ausreichend aufgenommen werden oder gehen durch Flüssigkeitsverluste, z.B. infolge massiver Durchfälle, verloren. Ein gezielter Ausgleich bestehender oder drohender Mangelzustände an Vitaminen (v.a. Vitamin B12, sowie das fettlösliche Vitamin D), Mineralstoffen (v.a. Magnesium, Kalium und Kalzium) und Spurenelementen (v.a. Zink) ist daher besonders wichtig. Sprechen Sie hierzu mit Ihrem Arzt, der feststellen kann, ob und welche Mikronährstoffe Ihr Körper aufnehmen kann bzw. wo ein Mangel besteht. 

Wussten Sie, dass vollbilanzierte Trinknahrung, wie z.B. lovital® complete energy 2.0 von CuraPorducts oder Fresubin® 2 kcal Drink von Fresenius Kabi, es Ihnen leichter machen kann, den Bedarf an Nährstoffen zu decken? Trinknahrungen enthalten neben Energie, Eiweiß und Fett auch alle lebensnotwenigen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. 

Sehen Sie zudem hier, welche Lebensmittel zur Deckung der kritischen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente besonders gut geeignet sind: 

  • Zink: Meeresfrüchte, Fleisch, Innereien, Eier, Käse, Getreidekeime
  • Vitamin B12: Fleisch, Leber, Fisch, Eier, Milch und Milchprodukte
  • Vitamin D: Eigelb, Butter, Margarine, fetter Fisch (Hering, Makrele, Lachs), Pilze
  • Magnesium: Weizenkeime, Vollkornbrot, Haferflocken, Hirse, Nüsse und Samen, Fisch, Hartkäse
  • Kalium: Apfel, Aprikose, Banane, Kartoffel
  • Kalzium: Milch, Milchprodukte

Viele kleine Mahlzeiten

Versuchen Sie statt drei große Mahlzeiten pro Tag besser 6-8 kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen. Denn: Beim Verzehr größerer Portionen wird die Darmtätigkeit stark angeregt und somit der Transport der Nahrung beschleunigt. Folglich kann die Nahrung schlechter verwertet werden und es kann zu Durchfällen kommen. 

Gründlich kauen

Gründliches Kauen hilft bei der Verdauung.

Durch das Kauen wird die Nahrung zerkleinert. Mithilfe der im Speichel enthaltenen Enzyme beginnt im Mund bereits die Verdauung. Gemäß dem Motto „Gut gekaut ist halb verdaut“ hilft gründliches Kauen dabei, dass ein homogener Speisebrei entsteht und die Nährstoffausnutzung positiv beeinflusst wird. Gegebenenfalls kann die Verdauung durch die Einnahme von Pankreasenzymen zu den Mahlzeiten  zusätzlich unterstützt werden.

Reichlich trinken

Isotone Getränke sind empfohlen bei Kurzdarmsyndrom

Bei einem Kurzdarmsyndrom besteht, z.B. durch Durchfälle, ein erhöhter Flüssigkeitsverlust, der durch die tägliche Flüssigkeitsaufnahme ausgeglichen werden muss. Die Zufuhrmenge sollte so gewählt werden, dass Sie in 24 Stunden eine Urinmenge von mindestens 1 Liter ausscheiden. Da man sich hierbei leicht verschätzen kann, sollte die Harnmenge regelmäßig kontrolliert werden. 

Empfehlenswert für die Flüssigkeitszufuhr sind vor allem isotone Getränke, wie z.B. fertige Lösungen aus der Apotheke, isotone Sportlergetränke oder selbsthergestellte isotone Getränke. Isoton bedeutet, dass die Flüssigkeit in etwa gleich viele gelöste Stoffe enthält, wie das menschliche Blut. Werden isotone Getränke getrunken, gelangen diese trotz eingeschränkter Darmfunktion rasch in den Blutkreislauf und Flüssigkeitsdefizite lassen sich schnell und zuverlässig ausgleichen.  

Empfehlenswert ist es, isotone Getränke selbst herzustellen und sie z.B. in eine Trinkflasche zu füllen, um kontinuierlich in kleinen Schlucken trinken zu können. Hier ein paar Beispiele für die Herstellung:

  • Beispiel 1: 1 l Kräuter- oder Schwarztee, 2 EL Zucker, ¼ TL Salz
  • Beispiel 2: ¼ l Fruchtsaft, 750ml Leitungswasser, ¼ TL Salz
  • Beispiel 3: 60 ml Holunderblütensirup, 940 ml Trinkwasser, 1,5 g Kochsalz
  • Beispiel 4: 500 ml Biokarottensaft, 500 ml Trinkwasser, 1 g Kochsalz
  • Beispiel 5: 200 ml fettfreie Trinknahrung, wie z.B. ProvideXtra von Fresenius Kabi, 400 ml Trinkwasser

Vermeiden sollten Sie hypotone Getränke (z.B. Wasser, Tee, Kaffee) sowie hypertone Getränke (Limonaden, Cola, Fruchtsäfte).

TIPP: Es empfiehlt sich, Essen und Getränke getrennt voneinander einzunehmen, um die Durchgangszeit des Nahrungsbreis im Darm nicht zusätzlich zu beschleunigen. Trinken Sie daher besser zwischen den Mahlzeiten, z.B. eine Viertel- bis halbe Stunde vor und nach den Mahlzeiten. 

Abhilfe schaffen bei Durchfall

Durchfall bei Kurzdarmsyndrom

Neben der medikamentösen Behandlung von Durchfällen, z.B. mit Antidiarrhoika, gibt es auch einige Lebensmittel, die eine positive Wirkung bei Durchfall (Diarrhoe) haben und daher unterstützend wirken können:  

  • Hafer-oder Reisschleim,
  • geschlagene Banane,
  • geriebener Apfel,
  • gekochte Karotten,
  • Zwieback,
  • Knäckebrot,
  • gekochter Reis,
  • Weißbrot,
  • Kartoffelpüree mit Wasser (statt Milch),
  • fettarme Brühe,
  • Kakaopulver (Schokolade, Wasserkakao),
  • Weizenkleie,
  • Flohsamen.

Vermeiden sollten Sie bei Durchfällen vor allem kalte und kohlensäurehaltige Getränke, Milch und Milchprodukte sowie sehr fettige Speisen. 

Tipps bei Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz)

Laktoseintoleranz bei Kurzdarmsyndrom

Durch die Entfernung von Teilen des Dünndarms kann es in der Folge zu einer Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) kommen. Hervorgerufen wird die Unverträglichkeit durch einen Laktasemangel. Denn: Laktase ist ein Enzym, das im Dünndarm gebildet wird und das dafür sorgt, dass Milchzucker abgebaut und resorbiert werden kann. 

Liegt eine Laktoseintoleranz vor, sollten Sie Milch und Milchprodukte vermeiden. Fermentierte Milchprodukte wie z. B. Quark, Käse, Joghurt und Kefir, werden meist gut vertragen, da diese keinen Milchzucker mehr enthalten. Zudem gibt es in vielen Supermärkten viele laktosefreie Produkte, die alternativ genutzt werden können.

Tipp: Sollten Sie hochkalorische Trinknahrung zu sich nehmen, können Sie auch hier auf laktosefreie Produkte zurückgreifen, wie z.B. lovital® complete energy 2.0 vegan Neutral von CuraProducts, Fortimel® PlantBased 1,5 kcal oder Fresubin® Plant-based Drink von Fresenius Kabi.

Auch bei Sondennahrungen gibt es laktosefreie Alternativen, wie z.B. DOLPINA® Soya fibre D (1,0 kcal/ml) von DOLP Medical, lovital® S vegan energy fibre (1,5 kcal/ml) von CuraProducts oder Fresubin® Soy fibre (1,0 kcal/ml) von Fresenius Kabi. 

Tipps zur Vorbeugung von Nierensteinen

Nierensteine entstehen häufig als Folge eines Kurzdarmsyndroms (v.a. nach Ileumresektion). Normalerweise wird Oxalsäure im Darm mit Kalzium zu Kalzium-Oxalat gebunden und über den Stuhlgang ausgeschieden. Funktioniert dieser Mechanismus durch die Entfernung von spezifischen Dünndarmabschnitten nicht mehr, wird die Bildung von Nierensteinen durch die freie Oxalsäure begünstigt. Meiden Sie daher oxalsäurereiche Lebensmittel, wie z.B. dunkle Brotsorten, Walnüsse, Mandeln, Rhabarber, Spinat, Mangold, Rote Bete, grüne Bohnen, Schwarztee, Schokolade oder Kakao.

Tipps bei Zuckerunverträglichkeit

Tipps bei Zuckerunverträglichkeit bei Kurzdarmsyndrom

Zucker und zuckerhaltige Lebensmittel (z.B. Honig, Marmelade, Obst) und Getränke (z.B. Limonade) sollten Sie meiden, denn Zucker kann bei unvollständiger Kohlenhydrataufnahme erhebliche osmotische Durchfülle verursachen. 

Ernährungsberatung bei Kurzdarmsyndrom

Ein individueller Ernährungsplan abgestimmt auf die verbliebene Restfunktion des Darms ist bei Kurzdarmsyndrom das A und O. Suchen Sie sich daher Unterstützung von einem Ernährungsberater. Dieser kann Ihnen dabei helfen, einen individuellen Ernährungsplan zu erstellen, um Ihren Körper mit den nötigen Nährstoffen zu versorgen. Zudem kann ein Ernährungsberater Ihnen auch bei enteraler oder parenteraler Ernährung beratend zur Seite stehen. 

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren

Infothek
Ernährung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen: Morbus Crohn und Colitits Ulcerosa

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Ernährung bei Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa

Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa zählen zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Da die Erkrankungen den Verdauungstrakt betreffen, spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. CED erfordern keine spezielle Diät, jedoch kann die Ernährung Symptome lindern und sich positiv auf den Verlauf der Darmerkrankungen auswirken.
Infothek
Ernährungstherapie mit Trinknahrung

Mit medizinischer Trinknahrung Nährstofflücken schließen

Gelingt es nicht, den Energie- und Nährstoffbedarf über die alltägliche Nahrung zu decken und das Gewicht zu stabilisieren, kann eine gezielte Ernährungstherapie mit medizinischer Trinknahrung die Ernährung wirkungsvoll unterstützen und Nährstofflücken schließen.
Infothek
Enterale Ernährung über Sonde

Enterale Ernährung: Nährstoffzufuhr über eine Sonde

Kann der Energie- und Nährstoffbedarf über andere ernährungstherapeutische Maßnahmen nicht nachhaltig verbessert werden oder ist die normale Nahrungsaufnahme krankheitsbedingt nicht möglich, kann die enterale Ernährung über Sonde kurzfristig oder manchmal sogar dauerhaft sinnvoll sein.