Nährstoffbedarf und Nährstoffberechnung
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Nährstoffbedarf und Nährstoffberechnung

Nährstoffbedarf und -berechnung

Für die Aufrechterhaltung aller Körperfunktionen und somit für die Leistungsfähigkeit und Gesundheit muss unser Körper täglich mit einer bestimmten Menge an Energie und Nährstoffen versorgt werden - und das ein Leben lang. Wie viel Energie und Nährstoffe wir benötigen ist hierbei von Mensch zu Mensch und von Tag zu Tag unterschiedlich und abhängig von vielen Einflussfaktoren, wie z.B. dem Alter, der körperlichen Aktivität oder vorliegenden Erkrankungen. 

Relevante Größen für die Ermittlung einer bedarfsgerechten Nährstoffversorgung sind der Energie-, Eiweiß- und Flüssigkeitsbedarf. Wie Sie den individuellen Nährstoffbedarf berechnen können und was Sie bei der Nährstoffberechnung berücksichtigen sollten, erklären wir Ihnen nachfolgend. 

Energiebedarf: wie viele Kalorien braucht der Körper?

Unser Organismus benötigt kontinuierlich Energie, die durch die Nahrung zugeführt werden muss. Diese Energie wird hierbei vor allem aus drei Gruppen von Nährstoffen bezogen: 

Die Energie in Lebensmitteln wird auch als Brennwert bezeichnet und in den Einheiten Kalorie oder Joule gemessen. Fette enthalten etwa 9 kcal, Kohlenhydrate und Eiweiß etwa 4 kcal pro Gramm. 

Bei einer ausgewogenen und gesunden Ernährung sollten circa 55% der Gesamtenergiemenge aus Kohlenhydraten stammen, 30% aus Fett und 15% aus Eiweiß.

Energiebedarf bei älterer Menschen

Der Gesamtenergiebedarf

Wie viel Energie der Körper täglich genau benötigt, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. So beeinflussen das aktuelle Körpergewicht, das Geschlecht, das Alter, der Gesundheitszustand, die Umgebungstemperatur und vor allem körperliche Aktivität oder Erkrankungen den Energiebedarf

Der Gesamtenergiebedarf eines gesunden Erwachsenen setzt sich aus dem Grundumsatz (Energieverbrauch in Ruhe, auch Ruheenergieumsatz genannt) und dem Leistungsumsatz (Energiebedarf für körperliche Aktivität oder Belastung durch Erkrankungen) zusammen. 

Im Alltag kann der Grundumsatz ausgehend vom Körpergewicht bei Erwachsenen wie folgt geschätzt werden:  

  • 20 – 30 Jahre: 25 kcal x Gewicht (kg)
  • 30 – 70 Jahre: 22,5 kcal x Gewicht (kg)
  • > 70 Jahre: 20 kcal x Gewicht (kg)

Neben der Energie, die der Körper in Ruhe verbraucht, wird zudem Energie für körperliche und geistige Aktivität in Beruf und Freizeit oder für schwere, kräftezehrende Erkrankungen benötigt. Dieser Energiebedarf wird Leistungsumsatz genannt. 

Je nachdem, ob die körperliche Aktivität oder die Belastung durch eine Erkrankung im Vordergrund steht, wird für die Ermittlung des Leistungsumsatzes der Aktivitätsfaktor (physical activitiy level = PAL) oder der Stressfaktor herangezogen. Bei mehreren umsatzsteigernden Einflüssen wird jeweils der führende (größere) Faktor zur Berechnung des Energiebedarfs gewählt.

Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die Aktivitätsfaktoren (PAL-Werte):

Mobilitätsverhalten
(Arbeitsschwäre und Freizeitverhalten)
PAL-Wert Beispiele
immobil
ausschließlich sitzende oder liegende Lebensweise
1,2 - 1,3 alte, gebrechliche, immobile, bettlägerige Menschen
leichte Aktivität
ausschließlich sitzende Tätigkeit mit wenig oder keiner anstrengenden Freizeitgestaltung
1,4 - 1,5 Büroangestellte, Feinmechaniker
mittlere Aktivität
sitzende Tätigkeit, zeitweilig auch zusätzlicher Energieaufwand für gehende und stehende Tätigkeiten
1,6 - 1,7 Laboranten, Kraftfahrer, Studierende, Fließbandarbeiter
schwere Aktivität
überwiegend gehende oder stehende Arbeit
1,8 - 1,9 Hausfrauen, Verkäufer, Kellner, Mechaniker, Handwerker, Pflegekräfte
sehr schwere Aktivität
körperlich anstrengende berufliche Tätigkeit
2,0 - 2,4  Bauarbeiter, Landwirte, Bergarbeiter, Leistungssportler

In dieser Tabelle finden Sie einen Überblick über mögliche Stressfaktoren:

Beschreibung Stressfaktor Beispiele
leichter Stress 1,1 - 1,3
  • chronische Krankheiten mit Komplikationen (Leberzirrhose, COPD, Krebs, …)
  • Große Knochenbrüche
  • Erholungsphase nach großen operativen Eingriffen
  • oberflächliche Wunden (Dekubitus Grad I + II)
  • leichtes Fieber (bis 39°C)
mäßiger Stress 1,4 - 1,6
  • große tiefe Wunden (Dekubitus Grad III + IV)
  • schwere Infektionen, schweres Fieber (über 39°C)
  • Polytrauma mit septischen Komplikationen
  • Mukoviszidose
schwerer Stress 1,7 - 2,0
  • Schädelhirntrauma
  • Knochentransplantation
  • schwere Verbrennungen

Durch die die Multiplikation des Grundumsatzes mit dem Leistungsumsatz (PAL-Wert bzw. Stressfaktor) lässt sich nun der Gesamtenergieumsatz eines Menschen grob abschätzen: 

Grundumsatz x Leistungsumsatz = Gesamtenergieumsatz

Beispiel 1: 72-jährige Person, bettlägerig, keine Erkrankungen, 65 kg Körpergewicht

  • 20 kcal x 65 kg x 1,2 PAL = 1.560 kcal / Tag

Beispiel 2: 59-jährige Person mit einer schweren Infektion, 81 kg Körpergewicht

  • 22,5 kcal x 81 kg x 1,6 Stressfaktor = 2.916 kcal / Tag

Beachten Sie: Diese Bedarfsberechnung stellt lediglich eine Orientierungshilfe dar. Der tatsächliche Energiebedarf, d.h. die bedarfsgerechte Energiezufuhr, kann im Einzelfall nur durch regelmäßige Gewichtskontrollen ermittelt werden. 

Wichtig zu wissen

Übersteigt die tägliche Energieaufnahme über eine längere Zeit den Energieverbrauch, führt dies zu einer Gewichtszunahme bis hin zu Übergewicht (Adipositas) mit weitreichenden Folgen für die Gesundheit.

Auf der anderen Seite führt eine negative Energiebilanz zu Gewichtsverlusten. Ungewollte Gewichtsverluste sind gerade bei Senioren ein ernster Hinweis auf eine Mangelernährung und erfordern eine ärztliche Klärung und rasches Handeln. 

Eiweißbedarf: Welche Mengen Eiweiß sind täglich notwendig?

Eiweiß ist lebensnotwendig für den Menschen und muss täglich mit der Nahrung aufgenommen werden, da der Körper keinen Eiweißspeicher besitzt. Der Bedarf von Eiweiß (Protein) ist im Wesentlichen abhängig vom Alter und der täglichen Aktivität bzw. Erkrankungen.

Ein gesunder Erwachsener zwischen 19 und 65 Jahren sollte täglich mindestens 0,8 g Eiweiß pro kg Körpergewicht zu sich nehmen. Da der Eiweißbedarf bei älteren Menschen über 65 Jahren steigt, erhöht sich die tägliche Zufuhr hier auf 1,0 g Eiweiß pro kg Körpergewicht pro Tag.

Beispiel 1: 45-jährige Person mit einem Körpergewicht von 80 kg. 

  • Eiweißbedarf pro Tag: 80 kg x 0,8 g Eiweiß = 64 g pro Tag

Beispiel 2: 77-jährige Person mit einem Körpergewicht von 64 kg.

  • Eiweißbedarf pro Tag: 64 kg x 1,0 g Eiweiß = 64 g pro Tag

Bestimmte Erkrankungen erfordern eine Reduzierung der Eiweißmenge oder eine höhere Zufuhr als bei einem Gesunden. Als Orientierung können folgende Werte dienen: 

Proteinbedarf g pro kg Körpergewicht / Tag z.B. bei
reduziert 0,6 - 0,8 g chronischer Niereninsuffizienz, Prä-Dialyse (ohne Nierenersatztherapie)
leicht erhöht

1,1 - 1,2 g

oberflächlichen Wunden (z.B. Dekubitus Grad II), leichte Infektionen, kleinen Operationen
 

1,2 - 1,4 g

Niereninsuffizienz und Hämodialyse
 

1,2 -1,5 g

Niereninsuffizienz und Peritonealdialyse
mäßig erhöht ca. 1,5 g tieferen Wunden (z.B. Dekubitus Grad III), größeren Operationen, schweren Skelettmuskelverletzungen
stark erhöht bis zu 2,0 g sehr großen, tiefen Wunden (z.B. Dekubitus Grad IV), großflächigen Verbrennungen, Rehabilitation nach Unterernährung

Flüssigkeitsbedarf: Wie viel sollte man trinken?

Wasser ist der mengenmäßig am meisten benötige Nährstoff unseres Körpers. Über die Haut, Lunge, Urin und Stuhl gibt unser Körper ständig Wasser ab, das über die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme ersetzt werden muss. 

Unser täglicher Flüssigkeitsbedarf ist abhängig von verschiedenen Faktoren, wie z.B. dem Alter, der körperlichen Aktivität, klimatischen Bedingungen oder vorliegenden Erkrankungen. 

Für gesunde Erwachsene gelten folgende Richtwerte für die tägliche Gesamtzufuhr an Wasser:

  • 15 bis unter 19 Jahre: 40 ml/kg Körpergewicht und Tag
  • 19 bis unter 51 Jahre: 35 ml/kg Körpergewicht und Tag
  • über 51 Jahre: 30 ml/kg Körpergewicht und Tag

Etwa ein Drittel der Flüssigkeit nehmen wir mit fester Nahrung zu uns, z.B. über Obst, Gemüse, oder Milchprodukte. Im Durchschnitt enthält feste Nahrung etwa 0,33 ml Wasser pro kcal. 

Zwei Drittel, etwa 1,5 -2 Liter, muss über den Tag verteilt durch Getränke zugeführt werden. Welche Getränke sich besonders für die Flüssigkeitszufuhr eigenen finden Sie hier: 

Getränke für die Flüssigkeitszufuhr 

 

Beispiel: 65-jähriger Mann mit einem Körpergewicht von 75 kg. 

  • Gesamtzufuhr Wasser pro Tag (Getränke und Nahrung): 75 kg x 30 ml = 2.250 ml pro Tag
  • Trinkmenge in ml pro Tag: 2/3 von 2.250 ml = 1.500 ml
  • Aufnahme von Flüssigkeit über die Nahrung: 2.250ml - 1.500 ml = 750 ml

Wichtiger Hinweis

Je weniger ein Mensch isst, desto wichtiger ist es, den fehlenden Flüssigkeitsanteil aus der Nahrung über Getränke auszugleichen. 

Ein Wasserverlust hat viele Ursachen

Bei erhöhten Wasserverlusten muss die Trinkmenge entsprechend gesteigert werden, wie z.B. bei:

  • starkem Schwitzen durch körperliche Anstrengung,
  • Sommerhitze,
  • Fieber,
  • starken Durchfällen / Erbrechen,
  • großen, offenen Wunden,
  • eiweiß- und salzreicher Ernährung,
  • Medikamenten zur Entwässerung (Diuretika) oder zum Abführen (Laxantien).

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