Stufen der Ernährungstherapie

Stufen der Ernährungstherapie bei Mangelernährung

Bei einer bestehenden oder drohenden Mangelernährung zielt die Ernährungstherapie darauf ab, die Ernährungsversorgung sicherzustellen, um den Ernährungszustand des Betroffenen zu verbessern oder eine Verschlechterung zu vermeiden. Zur Behandlung einer Mangelernährung oder eines ungewollten Gewichtsverlustes stehen im Rahmen der Ernährungstherapie verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, die stufenförmig aufeinander aufbauen.

Hier erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten ernährungsmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten im Stufenschema der Ernährungstherapie, um den Teufelskreis aus Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Mangelernährung zu durchbrechen. Die normale, orale Ernährung sollte hierbei immer Priorität haben. Alle Stufen der Ernährungstherapie können je nach individueller Situation miteinander kombiniert werden.

Mangelernährung Maßnahmen: Stufen der Ernährungstherapie

Stufenschema der Ernährungstherapie

Das Stufenschema der Ernährungstherapie, auch Stufenmodell oder Stufenpyramide genannt, bildet die Grundlage ernährungstherapeutischer Maßnahmen bei Mangelernährung oder einem erhöhten Risiko für Mangelernährung. Es wird von Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) empfohlen und beschreibt ein schrittweises Vorgehen zur Verbesserung der Ernährungssituation.

Die normale Ernährung hat in diesem Stufenmodell immer Vorrang. Erst wenn diese nicht ausreicht oder nicht sicher möglich ist, werden weitere Maßnahmen der Ernährungstherapie geprüft.

Das Stufenschema der Ernährungstherapie umfasst im Wesentlichen folgende Stufen:

Stufe 1: Normalkost, Speisenanreicherung, Sonderkostformen und Ernährungsberatung

Zunächst wird versucht, die normale orale Ernährung zu verbessern. Dazu gehören zum Beispiel eine individuelle Ernährungsberatung, kleine und häufige Mahlzeiten, Wunschkost, Zwischenmahlzeiten, energiereiche Lebensmittel, die Anreicherung von Speisen sowie Sonderkostformen, wenn sie medizinisch sinnvoll sind.

Stufe 2: Trinknahrung, orale bilanzierte Diäten

Reicht die normale Ernährung nicht aus, kann medizinische Trinknahrung ergänzend eingesetzt werden. Orale bilanzierte Diäten können helfen, die Versorgung mit Energie, Eiweiß und weiteren Nährstoffen zu verbessern und Nährstofflücken gezielt zu schließen.

Stufe 3: Enterale Ernährung, Sondenernährung

Ist Essen und Trinken über den Mund nicht oder nicht ausreichend möglich, der Magen-Darm-Trakt aber funktionsfähig, kann eine enterale Ernährung mit Sondennahrung notwendig sein. Die Nahrung wird dabei über eine Sonde direkt in den Magen oder Darm gegeben.

Stufe 4: Parenterale Ernährung

Kann der Magen-Darm-Trakt nicht oder nicht ausreichend genutzt werden, kommt eine parenterale Ernährung infrage. Dabei werden Nährstoffe über eine Infusion direkt in den Blutkreislauf gegeben.

Das Stufenmodell der Ernährungstherapie ist für alle Betroffenen gleichermaßen gültig, egal welche Ursachen der Mangelernährung zugrunde liegen. Der behandelnde Arzt wird mit Ihnen gemeinsam entscheiden, welche Maßnahmen für Sie, Ihren Angehörigen oder die Ihnen zur Pflege anvertraute Person am besten geeignet sind, um den Ernährungszustand zu verbessern.

Appetitlosigkeit im Alter
Appetitlosigkeit im Alter vermeiden: Ernährungstherapie mit Normalkost und Speisenanreicherung
Menschen mit einer Mangelernährung leiden oft unter Appetitlosigkeit. Lebensmittel sollten deshalb eine hohe Energie- und Nährstoffdichte aufweisen. Zudem können Speisen angereichert werden, z.B. mit Eiweiß- und Kohlenhydratpulver, Fettemulsionen oder Ernährungspulver.
Medizinische Trinknahrung
Medizinische Trinknahrung: Nährstofflücken gezielt schließen
Gelingt es nicht, den Energie- und Nährstoffbedarf über die alltägliche Nahrung zu decken und das Gewicht zu stabilisieren, kann eine gezielte Ernährungstherapie mit medizinischer Trinknahrung die Ernährung wirkungsvoll unterstützen und Nährstofflücken schließen.
Enterale Ernährung über Sonde
Enterale Ernährung: Definition, Anwendung und Vorteile
Kann der Energie- und Nährstoffbedarf über andere ernährungstherapeutische Maßnahmen nicht nachhaltig verbessert werden oder ist die normale Nahrungsaufnahme krankheitsbedingt nicht möglich, kann die enterale Ernährung über Sonde kurzfristig oder manchmal sogar dauerhaft sinnvoll sein.
Parenterale Ernährung über die Vene
Parenterale Ernährung über die Vene
Die parenterale Ernährung kommt immer dann zum Einsatz, wenn die orale Nahrungsaufnahme sowie die enterale Ernährung über eine Sonde nicht oder unzureichend möglich ist. Hierbei werden alle wichtigen Nährstoffe über die Vene direkt ins Blut verabreicht.

Häufige Fragen zur Ernährungstherapie nach dem Stufenmodell

Wie funktioniert eine Ernährungstherapie?

Eine Ernährungstherapie folgt häufig einem Stufenschema. Zunächst wird versucht, die normale orale Ernährung zu verbessern, zum Beispiel durch angepasste Mahlzeiten, Zwischenmahlzeiten oder die Anreicherung von Speisen.

Reicht dies nicht aus, können medizinische Trinknahrungen oder Zusatznahrungen eingesetzt werden.

Ist Essen und Trinken über den Mund nicht oder nicht ausreichend möglich, kann eine enterale Ernährung mit Sondennahrung notwendig sein.

Wenn der Magen-Darm-Trakt nicht genutzt werden kann, kommt eine parenterale Ernährung über die Vene in Betracht. Die Ernährungstherapie wird individuell angepasst und sollte ärztlich beziehungsweise ernährungsmedizinisch begleitet werden.

Warum folgt die Ernährungstherapie einem Stufenschema?

Die Ernährungstherapie folgt einem Stufenschema, damit zunächst möglichst natürliche und wenig belastende Maßnahmen ausgeschöpft werden. Erst wenn diese nicht ausreichen oder nicht möglich sind, werden weitere Formen der Ernährungstherapie eingesetzt. Dazu gehören Trinknahrung, Sondennahrung oder parenterale Ernährung.

Können die Stufen der Ernährungstherapie kombiniert werden?

Ja, die Stufen der Ernährungstherapie bauen aufeinander auf und können miteinander kombiniert werden. Betroffene können zum Beispiel weiter normale Mahlzeiten essen und ergänzend Trinknahrung erhalten. Auch bei einer Sondenernährung ist Essen oder Trinken über den Mund manchmal weiterhin möglich, wenn dies medizinisch erlaubt ist und sicher geschluckt werden kann.

Wird Ernährungstherapie bei Mangelernährung von der Krankenkasse bezahlt?

Ja, Ernährungstherapie bei Mangelernährung kann von der Krankenkasse bezahlt werden, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht und die Maßnahme ärztlich verordnet wird. Die Kostenübernahme hängt von der Diagnose, der Art der Ernährungstherapie und den Regelungen der jeweiligen Krankenkasse ab.