Diagnose Mangelernährung

Diagnose Mangelernährung: Die unterschätzte Gefahr erkennen

Zur Diagnose einer Mangelernährung wird der Ernährungszustand systematisch erfasst und bewertet. Wichtige Hinweise liefern unter anderem Gewichtsverlauf, BMI, klinische Zeichen, Screening-Tools sowie ergänzende Parameter wie Körperzusammensetzung oder Ernährungs- und Trinkprotokolle. 

Beurteilung des Ernährungszustandes

Wie wird eine Mangelernährung diagnostiziert?

Besteht der Verdacht auf eine Mangelernährung, sollte der Ernährungszustand systematisch erfasst und überprüft werden. Ziel ist es, Art, Ausmaß und damit verbundene Risiken einer Mangelernährung zu erkennen und Anhaltspunkte für geeignete Maßnahmen zu gewinnen.

Da sich eine Mangelernährung nicht mit einem einzelnen Messwert sicher erfassen lässt, werden verschiedene Parameter und Untersuchungsmethoden miteinander kombiniert. Erst ihr Zusammenspiel ermöglicht eine verlässliche Einschätzung des Ernährungszustands.

Dazu gehören insbesondere:
  • Die Anamnese und klinische Untersuchung, also die Beurteilung des äußeren Erscheinungsbildes,
  • die Messung gewichtsassoziierter Größen, zum Beispiel Gewicht, Body-Mass-Index und Gewichtsverlauf,
  • Screening und Assessment zur Einschätzung des Risikos und des Ernährungszustands,
  • die Bestimmung der Körperzusammensetzung,
  • das Führen von Ernährungs- und Trinkprotokollen,
  • ergänzend die Bestimmung von Laborparametern.
Klinische Untersuchung Mangelernährung

Anamnese und klinische Untersuchung bei Mangelernährung

Zu Beginn der Diagnose einer Mangelernährung stehen die Anamnese und die klinische Untersuchung. Der behandelnde Arzt befragt den Betroffenen in der Regel zunächst zu Ernährungsgewohnheiten, aktueller Nahrungsaufnahme und bestehenden Grunderkrankungen. Ist der Betroffene hierzu selbst nicht in der Lage, können Angehörige oder Pflegepersonen wichtige Hinweise liefern. Darüber hinaus wird das äußere Erscheinungsbild beurteilt.

Anzeichen, wie

  • vermindertes Unterhautfettgewebe,
  • schlaffe Hautfalten an Rücken, Bauch und Armen,
  • dünne Oberarme und Beine,
  • hervorstehende Schulterknochen oder Rippen,
  • oder Veränderungen von Haut, Lippen und Augen,

können bereits auf einen reduzierten Ernährungszustand hinweisen.

Auch Warnsignale eines Flüssigkeitsmangels (Dehydratation) lassen sich in der klinischen Untersuchung feststellen, wie z.B. anhand trockener Schleimhäute oder stehender Hautfalten. 

Gewicht, BMI und Gewichtsverlauf bei Mangelernährung

Gewicht, BMI und Gewichtsverlauf bei Mangelernährung

Eine Mangelernährung ist keine subjektive Angelegenheit, sondern lässt sich anhand verschiedener Parameter objektiv beurteilen. Zu den wichtigsten gewichtsassoziierten Größen zählen das Körpergewicht, der Body-Mass-Index (BMI) und der Gewichtsverlauf.

Wann sind Gewichtsverlust und BMI bei Mangelernährung auffällig?

Die deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) definiert folgende gewichtsassoziierte Kriterien für eine Mangelernährung:

  • ein Body-Mass-Index (BMI) < 18,5 kg/m2 oder
  • ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust von mehr als 10 % des Ausgangsgewichtes in 3 - 6 Monaten oder
  • ein Body-Mass-Index (BMI) < 20 kg/m2 und unbeabsichtigter Gewichtsverlust > 5% in den letzten 3 - 6 Monaten.

Unabhängig von den genannten Kriterien gilt zusätzlich eine Nüchternperiode von mehr als 7 Tagen als Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung.

Das Körpergewicht ist ein zentraler Ausgangswert zur Beurteilung des Ernährungszustands. Es bildet die Grundlage für die Berechnung des Body-Mass-Index und liefert bei wiederholter Messung wichtige Hinweise auf Veränderungen des Ernährungszustands.

Während das absolute Körpergewicht nur eine Momentaufnahme darstellt, lässt sich durch regelmäßige Gewichtsmessungen ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust erkennen. Dieser ist deutlich aussagekräftiger als das reine Gewicht und spielt für die Diagnose einer Mangelernährung eine entscheidende Rolle. Für eine verlässliche Verlaufskontrolle sollte das Körpergewicht deshalb möglichst wöchentlich erhoben und dokumentiert werden.

Neben dem Gewichtsverlauf ist auch der Body-Mass-Index (BMI) eine wichtige Größe, um ein Ernährungsdefizit zu erkennen. Der BMI errechnet sich aus Körpergröße und Körpergewicht und ist ein indirektes Maß für die Körperfettmasse. Da er bei Menschen mit Störungen des Wasserhaushalts sowie bei Übergewichtigen eine Mangelernährung nicht sicher ausschließen kann, sollte er nie isoliert bewertet, sondern immer zusammen mit anderen Messgrößen, insbesondere dem Gewichtsverlauf, betrachtet werden.

Wichtig für die Gewichtserfassung

Das Körpergewicht sollte immer unter ähnlich Bedingungen erfasst werden:

  • möglichst dieselbe Waage verwenden
  • möglichst in vergleichbarer Kleidung wiegen
  • möglichst nach dem Toilettengang messen
  • möglichst zur gleichen Uhrzeit wiegen
  • beachten, dass Dehydration, Ödeme oder Aszites das Körpergewicht beeinflussen können
Kniehöhe messen zur Ermittlung der Körpergröße.
Was tun, wenn die Körpergröße nicht sicher gemessen werden kann?

Zur Berechnung des Body-Mass-Index ist die Ermittlung der Körpergröße notwendig. Gerade bei älteren Menschen ist diese Messung jedoch nicht immer problemlos möglich. Betroffene können oft nur kurze Zeit stehen oder leiden unter starken Krümmungen der Wirbelsäule, die ein aufrechtes Stehen erschweren oder unmöglich machen.

Ist das Stehen aufgrund von Mobilitätseinschränkungen nicht möglich, kann die Körpergröße auch im Liegen gemessen werden. Voraussetzung ist jedoch eine möglichst gestreckte und gerade Körperhaltung. Ist auch dies nicht möglich, etwa aufgrund von Kontrakturen, kann die Körpergröße näherungsweise über die Kniehöhe bestimmt werden. Gemessen wird dabei die Strecke von der Unterseite der Ferse bis zur Oberseite des Knies bei einer Beugung von 90 Grad im Knie- und Fußgelenk.

Mit Hilfe der Kniehöhe kann die Körpergröße näherungsweise berechnet werden:

  • Männer: (1,94 x Kniehöhe in cm) – (0,14 x Alter in Jahren) + 78,31
  • Frauen: (1,85 x Kniehöhe in cm) – (0,21 x Alter in Jahren) + 82,21
Screening Mangelernährung

Screening und Assessment zur Diagnose von Mangelernährung

Um den Ernährungszustand richtig einschätzen zu können, werden in der Praxis häufig Screening-Instrumente eingesetzt. Unter einem Screening versteht man systematische Testverfahren, mit denen Menschen rasch und zuverlässig identifiziert werden können,

  • bereits mangelernährt sind,
  • bei denen ein Risiko für eine Mangelernährung besteht,
  • oder die von einer Ernährungstherapie profitieren können. 

Die meisten Screenings berücksichtigen mehrere Parameter, zum Beispiel Gewichtsverlauf, Body-Mass-Index, Appetit, Essmenge und das Krankheitsgeschehen. Sie dienen dazu, frühzeitig Hinweise auf eine Mangelernährung zu erkennen und den weiteren diagnostischen Bedarf einzuschätzen.

Wird im Screening ein Risiko oder der Verdacht auf eine bestehende Mangelernährung festgestellt, folgt eine tiefergehende Ursachenforschung, das sogenannte Assessment.

Ziel des Assessments ist es, die Ursachen und Risikofaktoren einer Mangelernährung genauer zu erfassen, damit zielgerichtete Maßnahmen und die passende Ernährungstherapie eingeleitet werden können. 

Welche Screening- und Assessment-Instrumente gibt es?

Für Erwachsene stehen verschiedene Instrumente zur Verfügung, die je nach Einsatzbereich und Zielgruppe genutzt werden können:

  • MNA (Mini Nutritional Assessment): speziell für ältere Menschen entwickelt.
  • MUST (Malnutrition Universal Screening Tool): einfaches Screening für den ambulanten Bereich und auch im klinischen Umfeld einsetzbar.
  • NRS-2002 (Nutritional Risk Screening): vor allem für den akutmedizinischen Bereich geeignet.
  • PEMU: Instrument für die stationäre Langzeit- und Altenpflege, das Screening und Assessment miteinander verbindet.
  • SGA (Subjective Global Assessment): stärker klinisch geprägt und auf einer umfassenderen Einschätzung des Ernährungszustands basierend.
Mini Nutritional Assessment (MNA)

Das Mini Nutritional Assessment ist ein Screening, das speziell für ältere Menschen (geriatrische Patienten) entwickelt wurde. Es ist in einer Kurz- sowie in einer Langform verfügbar. Die Kurzform oder auch Vorscreening besteht aus 6 Fragen und erfasst Parameter wie BMI, Gewichtsverlust, Essmenge, akute Erkrankungen sowie den Allgemeinzustand (z.B. Mobilität, psychische Verfassung). Ist die Erhebung des BMI nicht möglich, kann der Wadenumfang als alternative Messgröße eingesetzt werden. Das Screening differenziert bei der Auswertung zwischen einem Risiko für Mangelernährung sowie einer bestehenden Mangelernährung. Für die Durchführung sind keine Vorkenntnisse erforderlich. 

Die Langform enthält 12 zusätzliche Fragen zum Allgemeinzustand, zu Ernährungsgewohnheiten sowie Fragen zur Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes.  Aufgrund der Länge des Fragebogens ist die Langform vielmehr ein tiefergehendes Assessmentinstrument als ein Screening, da das Ergebnis mögliche Hinweise auf die Ursachen und Risikofaktoren einer Mangelernährung zulässt. 

Zum MNA (short-form)

Zum MNA (long-form)

Malnutrition Universal Screening Tool (MUST)

Das Malnutrition Universal Screening Tool wurde für den ambulanten Bereich entwickelt, wird aber durch die einfache und schnelle Handhabung auch im klinischen Umfeld eingesetzt. Der MUST besteht aus nur 3 Fragen zu BMI, Gewichtsverlauf sowie akuten Erkrankungen, die länger andauernde Nüchternzeiten erfordern oder verursachen. Appetit und Essmenge werden in diesem Screening nicht erfasst. Das Ergebnis des Screenings weist auf das Risiko einer Mangelernährung (gering bis hoch) sowie auf geeignete Maßnahmen hin. Durch die einfache Handhabung sind keine Vorkenntnisse für die Durchführung erforderlich.  

Zum MUST

Nutritional Risk Screening 2002 (NRS-2002)

Das Nutritional Risk Screening wurde für den akutmedizinischen Bereich entwickelt und erfolgt in zwei Stufen – einem Vorscreening und einem Hauptscreening. Das Vorscreening besteht aus 4 ja- / nein-Fragen zu BMI, Gewichtsverlust, Nahrungszufuhr sowie Krankheitsschwere. Wird eine Frage positiv beantwortet, folgt das Hauptscreening. Das Hauptscreening besteht aus einem ernährungsmedizinischen und einem krankheitsbezogenen Teil. Die Punktbewertung aus beiden Teilen wird abschließend summiert und ergibt den Risiko-Score. Das Screeninginstrument möchte vor allem das Risiko zur Entwicklung einer Mangelernährung aufzeigen. Hierbei liegt der Fokus stärker auf der zugrundeliegenden Erkrankung als bei anderen Screening-Tools.  

Für die Durchführung des Screenings ist keine spezifische Schulung erforderlich. 

Zum NRS-2002

Pflegerische Erfassung von Mangelernährung und deren Ursachen (PEMU)

Der PEMU ist ein zweiphasiges Instrument zur Erfassung der Ernährungssituation in der stationären Langzeit- und Altenpflege. Im ersten Abschnitt wird durch einfache Fragen ermittelt, ob ein Risiko für eine Mangelernährung oder einen Flüssigkeitsmangel vorliegt (Screening). Im zweiten Abschnitte wird geprüft, was ursächlich für die Ernährungsprobleme ist (Assessment).  

Der PEMU wurde im Expertenstandard „Ernährungsmanagement zur Sicherstellung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege“ des DNQP empfohlen und wird aufgrund seiner umfassenden Betrachtungsweise in der Praxis häufig angewendet.

Subjective Global Assessment (SGA)

Das Subjective Global Assessment wurde ursprünglich für chirurgische Patienten entwickelt und besteht aus einem Anamneseteil und einer körperlichen Untersuchung. Das SGA basiert somit auf einer subjektiven Einschätzung des Ernährungszustandes (gut ernährt bis stark mangelernährt) und erfordert vom Untersuchenden eine ausführliche Schulung sowie Erfahrung. Das Screeninginstrument wird daher hauptsächlich im klinischen Bereich eingesetzt. 

Zum SGA

Bestimmung der Körperzusammensetzung bei Mangelernährung

In der Ernährungsmedizin ist die Zusammensetzung des Körpers eine wichtige Größe zur Beurteilung des Ernährungszustands. Sie ermöglicht eine grobe Einschätzung der Fettreserven und der fettfreien Masse, also insbesondere der Muskelmasse. Damit liefert sie ergänzende Hinweise darauf, ob bereits ein Verlust an Körperfett oder Muskulatur vorliegt.

Zur Bestimmung der Körperzusammensetzung kommen verschiedene Methoden zum Einsatz. Dazu zählen insbesondere:

  • Umfangmessungen, z.B. von Oberarm oder Wade,
  • Messungen der Hautfaltendicke,
  • die bioelektrische Impedanzanalyse (BIA).
Umfangmessungen
Oberarmumfangs messen zur Diagnose einer Mangelernährung

Mit Hilfe von Messungen des Oberarm- oder Wadenumfangs kann der Ernährungszustand grob eingeschätzt werden. In der Praxis sind Umfangmessungen vor allem auch bei immobilen Patienten einfach durchzuführen. Sie liefern Informationen über das Unterhautfettgewebe (Subkutanfett) und die Muskelmasse, die bei einer Mangelernährung stark reduziert sein können. 

Der Oberarmumfang wird mit einem flexiblen Maßband bei entspannt hängendem Unterarm auf halber Höhe zwischen Schulterdach und der Spitze des Ellbogens gemessen. Ein Umfang von weniger als 21 cm deutet auf einen Verlust von Muskelmasse und Unterhautfettgewebe hin und wird als Hinweis auf eine Mangelernährung gewertet. 

Der Wadenumfang ist ein direktes Maß für die Muskelmasse und ist eng mit der Funktionalität und mit körperlicher Leistungsfähigkeit bzw. Beeinträchtigung verbunden. Auch der Wadenumfang wird mit einem flexiblen Maßband an der stärksten Stelle gemessen - idealerweise im Stehen mit leichtem Abstand zwischen den Füßen und gleichmäßiger Belastung beider Beine. Wird im Liegen gemessen sollte auf eine rechtwinklige Stellung der Gelenke sowie eine Unterstützung der Fußsohle geachtet werden. Ein Wadenumfang unter 31 cm weist auf einen starken Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft hin (Sarkopenie) und gilt als Indiz einer Unterernährung.

Messung der Hautfaltendicke
Hautfaltendicke messen

Die Messung der Hautfaltendicke erfolgt an definierten Körperstellen mit einer speziellen Kaliperzange und gibt Auskunft über vorhandene Fettreserven sowie den Hydrationszustand. Gemessen wird hiermit am Oberarm (Trizeps- oder Bizepshautfalte), am Schulterblatt oder am Beckenkamm.

Obwohl die Messung schnell durchführbar ist, ist diese vor allem bei älteren Menschen durch die Umverteilung des Körperfetts wenig aussagekräftig. Zudem ist für diese Methode Routine und Erfahrung des Durchführenden erforderlich und wird daher in der Praxis nur wenig eingesetzt. 

Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA)

Die Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) ist eine nicht-invasive Messmethode, die in der Praxis als Standardverfahren zur Ermittlung der Körperzusammensetzung gilt. Die Methode basiert auf der Messung der elektrischen Leitfähigkeit des Körpers. Ermittelt werden hierbei der Körperwassergehalt sowie fett- und fettfreie Körpermasse. Der Zeitaufwand je Messung beträgt etwa 10–20 Minuten. Regelmäßige Messungen zur Verlaufskontrolle sollten nach Möglichkeit unter standardisierten Bedingungen ablaufen, wie z.B. immer zur gleichen Tageszeit. Zudem sollten 30 Minuten vor der Messung keine größeren Mengen gegessen oder getrunken werden.

Obwohl die BIA schnell und einfach durchführbar ist, erfordert die Methode eine fachgerechte Anwendung und sowie eine kritische Interpretation der erhobenen Werte. 

Tellerdiagramm zur Erfassung der Essmenge.

Ernährungs- und Trinkprotokolle bei Mangelernährung

Eine veränderte Ess- oder Trinkmenge sowie veränderte Ernährungsgewohnheiten können bereits früh Hinweise auf Ernährungsprobleme liefern. Ob Betroffene ausreichend essen und trinken, lässt sich mit Hilfe von Ernährungs- und Trinkprotokollen erfassen. Da die Nahrungsaufnahme von Tag zu Tag unterschiedlich sein kann, sollten solche Protokolle immer über mindestens 3 bis 5 Tage geführt werden.

Schnell und einfach durchführbar ist das sogenannte Tellerdiagramm. Hierbei wird bei jeder Mahlzeit eingeschätzt, wie viel verzehrt wurde, zum Beispiel vollständig, drei Viertel, die Hälfte, ein Viertel oder gar nichts. So gewinnen Sie einen Überblick über die aufgenommene Essmenge.

Zusätzlich wird in Trinkprotokollen die aufgenommene Getränkemenge festgehalten. Zu beachten ist jedoch, dass auch Lebensmittel eine gewisse Menge Wasser enthalten und deshalb bei der Einschätzung der Flüssigkeitszufuhr berücksichtigt werden sollten.

Bestimmte Laborparameter zur Diagnose einer Mangelernährung.

Bestimmung von Laborparametern bei Mangelernährung

Eine Untersuchung von Blutwerten wird vor allem dann in Erwägung gezogen, wenn ein Proteinmangel oder ein Mikronährstoffmangel vermutet wird. Zur Diagnose einer Mangelernährung im Alter spielen ernährungsabhängige Blutwerte jedoch meist eine eher untergeordnete Rolle. Sie können die Diagnostik ergänzen, ersetzen aber nicht die Beurteilung des Ernährungszustands anhand anderer Parameter.

Zur labordiagnostischen Abklärung einer Mangelernährung werden in der Regel folgende Laborparameter betrachtet: 

  • Serumproteine (wie z.B. Albumin) als Hinweis auf einen Proteinmangel,
  • Konzentrationsbestimmung von Vitaminen und Spurenelementen im Serum zur Identifikation eines spezifischen Nährstoffmangels, wie z.B. Eisen, Vitamin D oder Vitamin B12,
  • Absolute Leukozytenzahl zur Bestimmung der Immunfunktion, die durch eine Mangelernährung beeinträchtigt sein kann. 

Häufige Fragen zur Diagnose von Mangelernährung

Wie wird eine Mangelernährung diagnostiziert?

Eine Mangelernährung wird nicht mit einem einzelnen Messwert diagnostiziert, sondern durch die Kombination verschiedener Kriterien. Dazu gehören unter anderem Anamnese und klinische Untersuchung, Gewicht, Body-Mass-Index, Gewichtsverlauf, Screening- und Assessment-Verfahren, die Bestimmung der Körperzusammensetzung sowie Ernährungs- und Trinkprotokolle. Ergänzend können auch Laborparameter betrachtet werden.

Reicht der BMI zur Diagnose einer Mangelernährung aus?

Nein. Der Body-Mass-Index (BMI) ist ein wichtiger Hinweis, reicht allein aber nicht aus. Vor allem bei übergewichtigen Menschen oder bei Störungen des Wasserhaushalts, etwa durch Ödeme oder Aszites, kann der BMI eine Mangelernährung nicht sicher ausschließen. Deshalb sollte er immer zusammen mit weiteren Parametern beurteilt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Screening und Assessment?

Ein Screening dient dazu, Menschen mit bestehender Mangelernährung oder einem erhöhten Risiko frühzeitig zu erkennen. Zeigt ein Screening Auffälligkeiten, folgt ein Assessment. Dabei werden Ursachen, Risikofaktoren und der individuelle Unterstützungsbedarf genauer erfasst, um geeignete Maßnahmen abzuleiten.

Welche Screening-Tools zur Identifikation einer Mangelernährung gibt es?

Zur Identifikation einer Mangelernährung werden verschiedene Screening- und Assessment-Instrumente eingesetzt. Dazu zählen unter anderem das Mini Nutritional Assessment (MNA), das Malnutrition Universal Screening Tool (MUST), das Nutritional Risk Screening 2002 (NRS-2002), der PEMU sowie das Subjective Global Assessment (SGA). Welches Instrument genutzt wird, hängt von Alter, Versorgungssituation und Einsatzbereich ab.

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