Was ist Sondennahrung?

Sondennahrung: Was ist das und wann wird sie eingesetzt?

Essen und Trinken bedeuten weit mehr als die Versorgung mit Energie und Nährstoffen. Sie stehen für Genuss, Gemeinschaft und ein Stück Lebensqualität. Doch es gibt Situationen, in denen Menschen nicht mehr ausreichend essen und trinken können – zum Beispiel, weil das Schlucken schwerfällt, eine Erkrankung den Nährstoffbedarf erhöht oder die normale Nahrung nicht mehr ausreichend verwertet werden kann.

In solchen Fällen kann Sondennahrung helfen, den Körper weiterhin zuverlässig mit Energie und lebensnotwendigen Nährstoffen zu versorgen. Sondennahrung, auch Sondenkost genannt, ist eine flüssige Nahrung, die über eine Ernährungssonde direkt in den Magen oder Dünndarm gegeben wird. Je nach Situation kann sie die normale Ernährung ergänzen oder vollständig ersetzen.

Die Ernährung mit Sondennahrung wird auch als enterale Ernährung bezeichnet. Die Nährstoffe gelangen dabei über die Ernährungssonde direkt in den Magen-Darm-Trakt und werden dort wie bei der normalen Ernährung verdaut und aufgenommen.

Sondennahrung ist eine Flüssignahrung

Was ist Sondennahrung?

Sondennahrung ist – ähnlich wie medizinische Trinknahrung – eine flüssige Form der Ernährung. Sie ist der normalen Ernährung sehr ähnlich, denn die enthaltenen Nährstoffe werden auf demselben Weg verdaut wie bei der Ernährung über den Mund. Der Unterschied: Die Nahrung gelangt nicht oral, sondern über eine Ernährungssonde direkt in den Verdauungstrakt.

Im Magen-Darm-Trakt wird die Sondenkost ebenso wie normal zugeführte Nahrung durchmischt und mithilfe von Enzymen in einzelne Nahrungsbausteine zerlegt. Auch das Sättigungsgefühl kann ähnlich sein wie bei einer Mahlzeit, die über den Mund aufgenommen wird.

Unterscheiden sich Sondennahrungen von Trinknahrungen?

Trink- und Sondennahrungen sind beides Flüssignahrungen, unterscheiden sich jedoch in ihrer Anwendung und Produktgestaltung. Medizinische Trinknahrung wird oral, also über den Mund, aufgenommen und ist deshalb geschmacklich optimiert. Sondennahrung wird dagegen über eine Ernährungssonde direkt in den Verdauungstrakt verabreicht. Daher sind vor allem ihre Konsistenz und Fließeigenschaften auf die sichere Verabreichung über die Sonde abgestimmt; geschmacklich ist sie meist neutral.

Inhaltsstoffe und Zusammensetzung von Sondennahrung

Welche Nährstoffe enthält Sondenkost?

Sondennahrung enthält die gleichen Nährstoffe, wie auch die normale Ernährung. So liefern die Flüssignahrungen nicht nur Energie, sondern auch alle lebensnotwendigen Nährstoffe, die der Körper benötigt, und das in einem gesunden und ausgewogenen Verhältnis: 

  • Eiweiß (ca. 15 EN%),
  • Fette (ca. 30 EN%),
  • Kohlenhydrate (ca. 55 EN%)
  • Ballaststoffe (außer bei ballaststofffreier Sondenkost)
  • Vitamine,
  • Mineralstoffe
  • und Spurenelemente. 

Durch ihre Zusammensetzung, die sich an den Vorgaben der europäischen Verordnung über Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke orientiert, ist Sondennahrung zur ausschließlichen Ernährung geeignet. 

Mehr Infos zur Zusammensetzung und Arten von Sondennahrung

Ist Sondennahrung künstlich?

Die in der Sondenkost verwendeten Nährstoffe stammen aus natürlichen Quellen, wie z.B. Eiweiß aus der Milch, Fette aus Sonnenblumenöl oder Rapsöl und Kohlenhydrate aus Stärke. Daher ist die Bezeichnung künstliche Ernährung für Sondennahrung häufig irreführend. 

Ernährung über Sonde: Zugangswege

Wie gelangt Sondennahrung in den Körper?

Anders als bei der oralen Ernährung über den Mund wird Sondennahrung über einen weichen Kunststoffschlauch, die sogenannte Ernährungssonde, direkt in den Magen oder Dünndarm verabreicht. Liegt das Ende der Sonde im Magen, spricht man von einer gastralen Ernährung. Wird die Nahrung in den Dünndarm gegeben, handelt es sich um eine jejunale Ernährung.

Je nachdem, wie lange die Sondenernährung voraussichtlich erforderlich ist und welche medizinischen Voraussetzungen bestehen, wird die Ernährungssonde entweder durch die Nase oder durch die Bauchdecke gelegt.

Transnasale Ernährungssonde (Nasensonde)

Ist die Ernährung mit Sondennahrung nur für einen begrenzten Zeitraum notwendig, wird häufig eine transnasale Ernährungssonde, auch Nasensonde genannt, eingesetzt. Sie wird durch ein Nasenloch entlang der Speiseröhre bis in den Magen oder Dünndarm geführt. Der Sondenschlauch wird mit einem Pflaster an der Nase befestigt, um ein Herausrutschen oder Verrutschen der Sonde zu vermeiden.

Perkutaner Sonde (direkter Zugang über die Bauchdecke)

Ist die enterale Ernährung über einen längeren Zeitraum erforderlich, kann ein perkutaner Zugang angelegt werden. „Perkutan“ bedeutet „durch die Haut“. Die Ernährungssonde wird dabei durch die Bauchdecke direkt in den Magen oder Dünndarm geführt.

Führt die Sonde in den Magen, handelt es sich beispielsweise um eine PEG, eine perkutane endoskopische Gastrostomie. Wird die Sonde in den Dünndarm gelegt, spricht man von einem jejunalen Zugang, beispielsweise einer PEJ, einer perkutanen endoskopischen Jejunostomie.

Wann kann Sondennahrung notwendig sein?

In manchen Lebenssituationen können Menschen trotz eigener Bemühungen oder Unterstützung durch andere nicht ausreichend essen und trinken. Dann kann Sondennahrung dabei helfen, die Versorgung mit Energie und Nährstoffen über einen begrenzten Zeitraum oder dauerhaft sicherzustellen, damit Betroffene bei Kräften bleiben oder wieder zu Kräften kommen. Voraussetzung ist, dass der Magen-Darm-Trakt grundsätzlich funktionsfähig ist.

So kann Sondennahrung beispielsweise notwendig sein 

  • bei starken Schluckstörungen, ausgelöst durch neurologische Akutereignisse, wie z.B. ein Schlaganfall oder ein Schädel-Hirn-Trauma,
  • bei Schluckstörungen, ausgelöst durch neurologisch fortschreitende Erkrankungen, wie z.B. Morbus Parkinson, Multiple Sklerose (MS), Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) oder Chorea Huntington,
  • bei Krebserkrankungen, wie z.B. Kopf-Hals-Tumore, Tumorkachexie, strahlenbedingten Schäden,
  • nach großen Operationen im Verdauungstrakt, wie z.B. Entfernung eines Teils des Magens oder Dünndarms, Kurzdarmsyndrom,
  • bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, wie z.B. Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa.

Weitere Infos zum Einsatzgebiet von Sondennahrung

Welche Vorteile bietet die Ernährung mit Sondennahrung?

Eine Sondenernährung kann die Versorgung mit Energie und lebensnotwendigen Nährstoffen sicherstellen, beim Essen und Trinken entlasten und dazu beitragen, den Ernährungszustand zu verbessern oder zu stabilisieren.

Gerade zu Beginn können dennoch Ängste oder Vorbehalte gegenüber einer Sondenernährung bestehen. Auch Gefühle wie Wut, Trauer oder der Eindruck, an Unabhängigkeit zu verlieren, sind möglich. Die Entscheidung für eine Sondenernährung ist daher nicht immer leicht, und ihre Vorteile sind zunächst oft nicht sofort erkennbar.

Im Folgenden wird gezeigt, wie die Ernährung mit Sondennahrung unterstützen kann und welche Vorteile sie bietet.

  • Sondenernährung hilt, den Ernährungszustand zu verbessern und das Gewicht zu stabilisieren.
  • Der Eingriff zur Platzierung der Ernährungssonde ist meist risikoarm und das Infektionsrisiko vergleichsweise gering.
  • Sie entlastet, wenn Essen und Trinken mühsam werden, z.B. aufgrund einer Schluckstörung.
  • Im Vergleich zur parenteralen Ernährung erfolgt die Nährstoffzufuhr bei der Sondenernährung auf natürlichem Weg über den Magen-Darm-Trakt und hilft dabei, die Verdauungsorgane in ihrer Funktionsfähigkeit zu erhalten. So kann der Darm wichtige Aufgaben in Bezug auf die Immunabwehr erfüllen und eine Fehlbesiedlung des Darms mit krankmachenden Keimen reduziert werden.
  • Sondennahrung bietet die Option, die normale Ernährung vollständig zu ersetzen, wenn dies notwendig ist oder ergänzt die bis dahin normale Nahrungszufuhr.
  • Eine PEG-Sonde schließt die normale Nahrungsaufnahme über den Mund nicht grundsätzlich aus. So bleibt das Geschmackserlebnis erhalten und lässt Raum für gemeinsame Mahlzeiten mit der Familie.
  • Sie ermöglicht eine einfache und unkomplizierte Verabreichung von Medikamenten, wenn das Schlucken schwerfällt oder nicht möglich ist.
  • Die Anwendung von Sondennahrung ist vergleichsweise einfach und kann auch von medizinischen Laien schnell erlernt werden.
  • Die Ernährungssonde kann ohne großen Aufwand wieder entfernt werden, wenn sie nicht mehr notwendig ist. 
PEG-Sonde bei Krebstherapie

„Mir wurde im Rahmen der Krebstherapie die Anlage einer PEG-Sonde vom Arzt empfohlen, da mir das Schlucken immer schwerer fiel. Ich hatte große Vorbehalte. Hätte ich jedoch vorher gewusst, dass es mir den täglichen Kampf mit der Nahrungsaufnahme erleichtert, hätte ich mich schon früher dafür entschieden.„

Ursula, 62 Jahre
Verabreichungsarten von Sondennahrung

Wie wird Sondennahrung verabreicht?

Bei der Sondenernährung wird Flüssignahrung über eine Ernährungssonde direkt in den Magen oder Dünndarm geleitet. Die Verabreichung kann dabei auf unterschiedliche Weise erfolgen: entweder portionsweise als Bolus mit einer Spritze oder kontinuierlich aus einem Nahrungsbehältnis über ein Überleitsystem, also einen dünnen Verbindungsschlauch. Die kontinuierliche Gabe erfolgt entweder mithilfe einer Ernährungspumpe oder über ein Schwerkraftsystem.

Somit stehen grundsätzlich drei Formen der Verabreichung von Sondennahrung zur Verfügung:

  • Pumpenapplikation: Eine Ernährungspumpe befördert die Sondennahrung kontrolliert und mit einer festgelegten Geschwindigkeit über das Überleitsystem in die Ernährungssonde.
  • Schwerkraftapplikation: Die Sondennahrung fließt mithilfe der Schwerkraft aus dem Nahrungsbehältnis über das Überleitsystem in die Ernährungssonde.
  • Bolusgabe: Die Sondennahrung wird portionsweise mit einer Spritze verabreicht. Beim Aufziehen der Nahrung kann ein sogenannter Bolus Adapter hilfreich sein.

Welche Form der Verabreichung geeignet ist, hängt unter anderem von der individuellen Situation, der Verträglichkeit und der Lage der Ernährungssonde ab.

Mehr zu den Verabreichungsformen von Sondennahrung

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Häufige Fragen zu Sondennahrung

Kann man trotz Ernährungssonde weiterhin essen und trinken?

Ja, eine Ernährungssonde schließt das Essen und Trinken über den Mund nicht grundsätzlich aus. Ob und in welchem Umfang eine orale Nahrungsaufnahme möglich ist, hängt jedoch von der Erkrankung, der Schluckfähigkeit und der individuellen medizinischen Situation ab. Ist sicheres Schlucken möglich, können weiterhin Mahlzeiten oder Getränke aufgenommen werden. So bleibt das Geschmackserlebnis erhalten und lässt Raum für gemeinsame Mahlzeiten mit der Familie.

Welche Arten von Sondennahrung gibt es?

Sondennahrungen unterscheiden sich unter anderem in ihrer Zusammensetzung, Energiedichte sowie ihrem Eiweiß- und Ballaststoffgehalt. Es gibt normokalorische und hochkalorische Produkte, eiweißreiche Sondennahrungen sowie Varianten mit oder ohne Ballaststoffe. Außerdem stehen Sondennahrungen für Kinder und Erwachsene sowie spezielle Produkte für besondere Stoffwechsellagen oder eine veränderte Verdauungsleistung zur Verfügung, beispielsweise bei Diabetes, Niereninsuffizienz oder Verdauungsstörungen, etwa in Form von Oligopeptid-Diäten.

Darf Sondennahrung getrunken werden?

Sondennahrung ist in erster Linie für die Verabreichung über eine Ernährungssonde entwickelt. Einige Produkte können grundsätzlich auch über den Mund aufgenommen werden, sofern dies vom Hersteller vorgesehen und medizinisch geeignet ist. Da Sondennahrungen meist geschmacksneutral und nicht auf den oralen Verzehr abgestimmt sind, ist für Menschen mit sicherer Schluckfähigkeit in der Regel medizinische Trinknahrung die geeignetere Alternative.

Wie viel Sondennahrung wird pro Tag benötigt?

Die benötigte Menge richtet sich unter anderem nach dem Energie- und Nährstoffbedarf, dem Körpergewicht, dem Gesundheitszustand und der verwendeten Sondennahrung. Auch die zusätzliche Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit wird berücksichtigt. Die individuelle Tagesmenge wird durch den Arzt oder eine Ernährungsfachkraft festgelegt.

Mehr zur Dosierung von Sondennahrung

Kann Sondennahrung selbst zubereitet werden?

Für die Ernährung über eine Sonde werden in der Regel industriell hergestellte Sondennahrungen verwendet. Sie besitzen eine definierte Nährstoffzusammensetzung und geeignete Fließeigenschaften. Selbst zubereitete Nahrung kann hinsichtlich Nährstoffgehalt, Hygiene und Konsistenz problematisch sein und sollte nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingesetzt werden.

Kann Sondennahrung zu Durchfall oder Verstopfung führen?

Bei einer Ernährung mit Sondennahrung können Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Verstopfung, Übelkeit oder Blähungen auftreten. Mögliche Ursachen sind unter anderem eine zu schnelle Verabreichung, eine ungeeignete Menge oder Temperatur, Medikamente oder Unverträglichkeiten gegenüber Inhaltsstoffen (z.B. Laktose). Aber: Nicht immer trägt die Sondennahrung die Schuld an den genannten Problemen. Verdauungsbeschwerden haben vielfältige Ursachen und sollten immer mit einem Arzt besprochen werden. 

Mehr zu Verdauungsbeschwerden bei Sondenernährung

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