Medizinische Trinknahrung

Medizinische Trinknahrung: Nährstofflücken gezielt schließen

Wenn der Körper über längere Zeit nicht ausreichend mit Energie und Nährstoffen versorgt wird, können sich Nährstofflücken entwickeln. Das passiert zum Beispiel, wenn der Appetit fehlt, das Essen schwerfällt oder Erkrankungen die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen. Selbst wenn die normale Ernährung „angereichert“ wird (z.B. mit Sahne oder Butter), kann es vorkommen, dass der Gewichtsverlust weitergeht oder die Versorgung trotzdem nicht stabil wird. In solchen Fällen kann eine Ernährungstherapie mit medizinischer Trinknahrung eine sinnvolle Unterstützung sein. 

Im Stufenplan der Ernährungstherapie wird zunächst versucht, die normale Ernährung möglichst lange aufrechtzuerhalten. Reicht das nicht aus, kann medizinische Trinknahrung als nächster Schritt helfen, den Energie- und Nährstoffbedarf verlässlicher zu decken und Nährstofflücken zu schließen.

Was ist medizinische Trinknahrung?

Medizinische Trinknahrung gehört zu den Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke und wird auch als (oral) bilanzierte Diät bezeichnet. Sie ist speziell dafür entwickelt, Menschen zu unterstützen, die ihren Energie- oder Nährstoffbedarf über die normale Ernährung nicht ausreichend decken können. 

Die Produkte liefern in konzentrierter Form Energie, Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe und alle lebenswichtigen Nährstoffe. Je nach Situation kann medizinische Trinknahrung die tägliche Ernährung ergänzen oder in bestimmten Fällen aufgrund ihrer Zusammensetzung auch zur ausschließlichen Ernährung eingesetzt werden.

Kurz erklärt

Medizinische Trinknahrung ist eine speziell zusammengesetzte flüssige oder löffelbare Ernährung, die dann eingesetzt werden kann, wenn die normale Nahrungsaufnahme nicht ausreicht, um den Bedarf an Energie und Nährstoffen zu decken.

Die Ursprünge der heutigen Trinknahrung liegen in der Astronautenkost, die erstmals in den 1960er Jahren in der Raumfahrt verwendet wurde. Deshalb werden die energiereichen Trinkmahlzeiten häufig auch als Astronautennahrung oder Astronautenkost bezeichnet. 

Wann ist medizinische Trinknahrung empfohlen?

Medizinische Trinknahrung kann immer dann sinnvoll sein, wenn der Energie- und Nährstoffbedarf über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend durch normale Mahlzeiten gedeckt werden kann. Ziel ist es, die Versorgung zu stabilisieren, Nährstofflücken zu schließen und einem weiteren ungewollten Gewichtsverlust entgegenzuwirken. 

Typische Situationen sind unter anderem:

Altersbedingte Ernährungsprobleme

Manche Menschen essen im Alter weniger oder unregelmäßiger – etwa durch Appetitlosigkeit, Kau- und Schluckprobleme oder weil das Einkaufen und Zubereiten schwerfällt.

Auch Erkrankungen wie Demenz / Alzheimer, Phasen vor und nach Operationen, Wundheilungsstörungen oder allgemeine Schwäche können die Ernährung beeinträchtigen.

Krankheitsbedingte Ernährungsprobleme

Medizinische Trinknahrung kann außerdem bei verschiedenen Erkrankungen sinnvol sein, zum Beispiel bei

Wichtig: Ob und welche medizinische Trinknahrung geeignet ist, sollte sich immer am individuellen Bedarf und der jeweiligen Ernährungssituation orientieren.

Trinknahrung hat eine flüssige Konsistenz

Welche Vorteile hat medizinische Trinknahrung?

Eine bedarfsgerechte Ernährungstherapie mit medizinischer Trinknahrung kann dazu beitragen, die Versorgung mit Energie und Nährstoffen zu verbessern, besonders dann, wenn normale Mahlzeiten nicht ausreichen. Praktisch ist vor allem, dass die Produkte in kleinen Portionen viel Energie und wichtige Nährstoffe liefern. Die Einnahme ist Dank der flüssigen Konsistenz der Drinks sehr einfach und erfordert keine große Anstrengung. 

Vorteile auf einen Blick:

  • Hohe Energie- und Nährstoffdichte in kleiner Menge zur optimalen Deckung des Energie- und Nährstoffbedarfs,
  • gezielte Versorgung mit Eiweiß, Vitaminen und wichtigen Nährstoffen,
  • einfach anzuwenden (trinkbar oder löffelbar) und in den Alltag zu integrieren,
  • leicht verdaulich und gut verträglich,
  • große Geschmacksvielfalt sorgt für Abwechslung (neutral, süß, herzhaft, fruchtig, usw.),
  • ungeöffnet häufig lange haltbar,
  • unter bestimmten Voraussetzungen verordnungsfähig und erstattungsfähig.

Welche Arten von Trinknahrungen gibt es?

Zur Deckung der unterschiedlichen Ernährungsbedürfnisse bei alters- oder krankheitsbedingter Mangelernährung gibt es medizinische Trinknahrungen in vielen unterschiedlichen Varianten und Zusammensetzungen. Unterschiede bestehen unter anderem beim Energiegehalt, beim Eiweißgehalt, bei der Zielgruppe (z.B. Kinder, spezielle Krankheiten) sowie bei Geschmack und Konsistenz.

Trinknahrung mit unterschiedlichem Energie- und Eiweißgehalt
  • normokalorische Trinknahrungen mit 1 kcal / ml
  • hochkalorische Trinknahrungen mit > 1,2 kcal / ml bis über 2 kcal / ml
  • eiweißreiche Trinknahrungen mit mindestens 20 EN% Eiweiß
Trinknahrung für spezielle Erkrankungen

Eine Erkrankung kann die Anforderungen an die Ernährung verändern. Daher ist es manchmal notwendig, dass Trinknahrungen in ihrer Zusammensetzung auf die speziellen Ernährungsanforderungen eines Krankheitsbildes zugeschnitten sind. 

So gibt es spezielle Trinknahrungen für die Ernährung bei

Weitere Informationen zu Trinknahrungen für spezielle Erkrankungen mit Produktbeispielen finden Sie hier:

Ernährung bei Erkrankungen

Trinknahrung für Kinder
Medizinische Trinknahrung für Kinder

Die Ernährungsbedürfnisse eines Kindes unterscheiden sich von denen eines erwachsenen Menschen teils sehr deutlich. Trinknahrungen für Erwachsene sind daher nur bedingt für Kinder geeignet. Für Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche gibt es deshalb altersentsprechende Trinknahrungen, die speziell auf den Entwicklungsstand und die Ernährungsbedürfnisse der Kleinsten ausgerichtet sind. 

Trinknahrung in großer Geschmacksvielfalt
 Medizinische Trinknahrung gibt es in vielen Geschmacksrichtungen.

Medizinische Trinknahrung wird für besonders viel Abwechslung und Genuss in vielen Geschmackssorten angeboten – von süß bis herzhaft. Gängige Geschmacksrichtungen vieler Hersteller von Trinknahrung sind z.B.: 

  • neutraler Geschmack,
  • fruchtiger Geschmack, wie z.B. mit Beeren, Aprikose, Banane oder Kirsche
  • Vanille,
  • Schokolade,
  • Kaffee / Cappuccino,
  • Nuss
  • oder Keks.
Trinknahrung in unterschiedlichen Konsistenzen
Medizinische Trinknahrung in unterschiedlichen Konsistenzen

Trinknahrung gibt es zudem in unterschiedlichen Darreichungsformen und Konsistenzen, wie z.B.: 

  • als verzehrfertige Flüssignahrung,
  • als Cremes oder Puddings zum Löffeln,
  • als Pulver zum Anrühren als Drink oder zum Anreichern von Speisen und Getränken.

Wie wird medizinische Trinknahrung angewendet?

Damit medizinische Trinknahrung bestmöglich unterstützen kann, sollte regelmäßig und über einen längeren Zeitraum eingenommen werden (mindestens 10-16 Wochen).

Diese Tipps können die Anwendung im Alltag erleichtern:

  • Leicht gekühlt wird die Einnahme von Trinknahrung oft als angenehmer empfunden,
  • langsam und in kleinen Schlucken trinken,
  • am besten zwischen den Hauptmahlzeiten einnehmen,
  • geöffnete Packungen wieder verschließen und im Kühlschrank lagern (in der Regel innerhalb von 24 Stunden aufbrauchen),
  • Trinknahrung kann eingefroren werden, z. B. als Eiswürfel oder Eislutscher,
  • manche Sorten, wie z.B. Kaffee oder Schokolade, eignen sich erwärmt auch als Heißgetränk (bis max. 70°C erhitzen),
  • Trinknahrung lässt sich zudem gut in Joghurt, Quark oder Pudding einrühren,
  • aus pürierten Früchten und Trinknahrung lassen sich hochkalorische Smoothies hergestellen.
Waffeln-mit-Trinknahrung

Unser Tipp

Sie können Trinknahrung nicht nur pur genießen, sondern diese zum Kochen und Backen  verwenden. Auf diese Weise lassen sich die Flüssignahrungen auf vielfältige Weise in Ihren Speiseplan integrieren. Lassen Sie sich von Rezeptiedeen mit lovital Trinknahrung, Fresubin oder Fortimel inspirieren.

Zu den Rezeptideen

Wird medizinische Trinknahrung von der Krankenkasse bezahlt?

Anders als Trinkmahlzeiten aus dem Supermarkt sind medizinische Trinknahrungen Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (Bilanzierte Diäten) und aufgrund ihrer Nährstoffzusammensetzung zur ausschließlichen Ernährung geeignet. Daher können diese wie Arzneimittel von einem Arzt verschrieben werden. Dies ist möglich, wenn:

  • die Fähigkeit zur ausreichenden normalen Ernährung eingeschränkt ist
  • und eine Anpassung der normalen Ernährung oder sonstige Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungssituation allein nicht ausreichen.

Hat Ihr Arzt die Trinknahrung auf einem roten Rezept verordnet, dann übernimmt die gesetzliche Krankenkasse (GKV) die Kosten. Auch für Privatversicherte werden die Kosten für Trink- und Sondennahrung in der Regel übernommen.

Trinknahrung kann jedoch auch ohne Rezept, z.B. in einem Sanitätshaus, der Apotheke oder auch online selbst gekauft werden.

Mehr zur Verordnungsfähigkeit

Ernährung über Sonde: Zugangswege

Was ist der Unterschied zwischen Trinknahrung und Sondennahrung?

Trinknahrung und Sondennahrung werden oft gemeinsam genannt, da beide zur klinischen Ernährung gehören. Wie auch bei der normalen Ernährung über den Mund findet die Verdauung und Verwertung von Trink- und Sondenahrung im Magen-Darm-Trakt statt. 

Der entscheidende Unterschied ist der Aufnahmeweg:

  • Trinknahrung wird über den Mund aufgenommen.
  • Sondennahrung wird über eine Ernährungssonde direkt in den Magen oder Dünndarm gegeben. 

Die beiden Ernährungsformen unterscheiden sich in der Zusammensetzung der Produkte nur wenig. Da Trinknahrung getrunken wird, spielen Geschmack, Konsistenz und Akzeptanz eine wichtige Rolle. 

Sondennahrung hat im Gegensatz zu Trinknahrung meist keinen Geschmack, da die Flüssignahrung nicht über den Mund in den Magen-Darm-Trakt gelangt, sondern über eine Ernährungssonde direkt in den Magen oder Dünndarm verabreicht wird.

Sowohl Trink- als auch Sondennahrung enthalten meist alle notwendigen Nährstoffe für eine vollwertige und gesunde Ernährung und sind somit auch zur ausschließlichen Ernährung geeignet. 

Anders als Trinknahrung kommt Sondennahrung erst dann zum Einsatz, wenn Betroffene Nahrung nicht oder nicht ausreichend über den Mund aufnehmen können, wie z.B. bei einer starken Schluckstörung

Häufige Fragen zu medizinischer Trinknahrung (FAQ)

Was ist medizinische Trinknahrung?

Medizinische Trinknahrung ist eine speziell zusammengesetzte flüssige oder löffelbare Ernährung (bilanzierte Diät), die eingesetzt werden kann, wenn die normale Ernährung den Energie- und Nährstoffbedarf nicht ausreichend deckt.

Wann ist medizinische Trinknahrung sinnvoll?

Sie kann sinnvoll sein bei drohender oder bestehender Mangelernährung, ungewolltem Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit sowie Kau- oder Schluckproblemen und in verschiedenen krankheitsbedingten Situationen. 

Gibt es unterschiedliche Varianten?

Ja. Es gibt hochkalorische und eiweißreiche Trinknahrung sowie spezielle Produkte für bestimmte Erkrankungen. Zudem unterscheiden sich die Produkte in Geschmack und Konsistenz (trinkbar, löffelbar, Pulver).

Kann man medizinische Trinknahrung auf Rezept bekommen?

Unter bestimmten Voraussetzungen kann medizinische Trinknahrung ärztlich verordnet werden. Eine Verordnung kommt in der Regel infrage, wenn die normale Ernährung nicht ausreicht und andere Maßnahmen allein die Ernährungssituation nicht ausreichend verbessern. Wird Trinknahrung auf Rezept verordnet, ist bei gesetzlich Versicherten eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse möglich. Auch bei Privatversicherten kann eine Erstattung je nach Tarif möglich sein.

Was ist der Unterschied zur Sondennahrung?

Trinknahrung wird über den Mund aufgenommen. Sondennahrung wird über eine Sonde direkt in den Magen-Darm-Trakt verabreicht und ist vor allem dann relevant, wenn eine ausreichende orale Ernährung nicht möglich ist.

Häufige Fragen zu medizinischer Trinknahrung

Noch Fragen?

Es ist verständlich, dass vor allem am Anfang der Ernährungstherapie mit hochkalorischer Trinknahrung viele Fragen auftauchen. Wir haben deshalb die häufigsten Fragen rund um das Thema Trinknahrung in unserem FAQ-Bereich für Sie beantwortet.

Fragen und Antworten Trinknahrung

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