Mangelernährung

Mangelernährung: Ursachen, Symptome, Folgen und Maßnahmen

Eine Mangelernährung liegt vor, wenn der Körper über längere Zeit nicht ausreichend mit Energie, Eiweiß und anderen lebensnotwendigen Nährstoffen versorgt wird. Sie entsteht durch ein Ungleichgewicht zwischen Nährstoffzufuhr und Nährstoffbedarf und kann zu Gewichtsverlust, Muskelabbau, Müdigkeit, Schwäche und einer verminderten Leistungsfähigkeit führen. Besonders häufig tritt Mangelernährung bei älteren Menschen sowie bei chronischen Erkrankungen.

Obwohl das Thema Ernährung in den letzten Jahren zunehmend in den gesellschaftlichen Blickpunkt gerückt ist, stehen vor allem Adipositas und Übergewicht im Vordergrund der Diskussion. Das Problem der Mangelernährung wird dagegen oft wenig beachtet oder nicht als solches erkannt. Gerade bei älteren Menschen werden Anzeichen wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Schwäche und Gewichtsabnahme noch immer häufig als normale Alterserscheinung hingenommen. Dabei sind diese Symptome nicht normal, sondern können auf eine Unterversorgung mit Energie und lebensnotwendigen Nährstoffen hinweisen.

Auf dieser Seite erfahren Sie, welche Ursachen und Folgen Mangelernährung haben kann, woran sich erste Anzeichen frühzeitig erkennen lassen und welche Maßnahmen helfen können, einer Mangelernährung gezielt entgegenzuwirken.

  

Relevanz von Mangelernährung

Warum ist Mangelernährung so relevant?

Essen und Trinken sind Grundbedürfnisse des Menschen. Sie liefern Kraft und Lebensenergie und haben einen großen Einfluss auf Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität.

Gerade bei älteren Menschen sowie bei chronischen Erkrankungen kann die Nahrungsaufnahme jedoch schnell zur Herausforderung werden. Häufig macht sich dies zunächst durch eine ungewollte Gewichtsabnahme bemerkbar. Diese sollte immer ernst genommen werden, denn sie ist oft ein Warnsignal dafür, dass der Körper nicht mehr ausreichend versorgt wird.

Denn wer über einen längeren Zeitraum zu wenig isst oder trinkt, nimmt nicht nur ab. Erhält der Körper zu wenig Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe, muss der Organismus auf seine Reserven zurückgreifen. Eine Mangelernährung kann die Folge sein, mit Auswirkungen auf wichtige Körperfunktionen, die Leistungsfähigkeit sowie das körperliche und seelische Wohlbefinden.

Oft beginnt dieser Prozess schleichend und bleibt lange unbemerkt. Erste Anzeichen wie Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Schwäche oder Lustlosigkeit werden nicht immer sofort richtig eingeordnet. Wird nicht frühzeitig gegengesteuert, kann ein Teufelskreis entstehen, aus dem Betroffene nur schwer wieder herausfinden.

Viele Menschen unterschätzen noch immer, wie groß der Einfluss einer bedarfsgerechten Ernährung auf Gesundheit und Genesung ist. Dabei kann eine gezielte Ernährungstherapie, zum Beispiel mit Trinknahrung, wesentlich dazu beitragen, bei Kräften zu bleiben oder nach einer Erkrankung schneller wieder zu Kräften zu kommen.

Wer ist von Mangelernährung betroffen?

Wer ist von Mangelernährung betroffen?

Mangelernährung kann jeden treffen und kommt auch in Deutschland häufiger vor, als viele vermuten. So sind hierzulande rund 2,8 Millionen Menschen mangelernährt. Besonders häufig betroffen sind ältere und pflegebedürftige Menschen, bei denen die Nahrungsaufnahme erschwert ist, sowie Menschen mit akuten oder chronischen Erkrankungen.

Zu den wichtigsten Risikogruppen zählen:

  • Ältere, pflegebedürftige und hochbetagte Menschen, die sich nicht mehr selbstständig versorgen können, ihre Wünsche nicht mehr adäquat äußern können oder bei der Zubereitung von Mahlzeiten beziehungsweise bei der Nahrungsaufnahme auf Hilfe angewiesen sind.
  • Menschen mit konsumierenden oder chronischen Erkrankungen, z.B. mit Krebserkrankungen, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, COPD oder chronischer Niereninsuffizienz.
  • Auch übergewichtige Menschen, wenn dem Körper trotz ausreichender Kalorienzufuhr wichtige Nährstoffe wie Eiweiß, Vitamine oder Mineralstoffe fehlen.

Mit steigendem Alter nimmt das Risiko für Mangelernährung deutlich zu. Je nach Lebenssituation und Gesundheitszustand sind 10 bis 60 Prozent der über 65-Jährigen betroffen. Bei unabhängig lebenden, gesunden Senioren liegt die Prävalenz bei etwa 10 Prozent, in Pflegeheimen steigt sie auf 50 bis 80 Prozent an. Auch bei Aufnahme ins Krankenhaus ist Mangelernährung mit einer Prävalenz von 20 bis 60 Prozent ein häufiges Problem.

Ein guter Ernährungszustand ist in all diesen Situationen von großer Bedeutung. Er beeinflusst nicht nur Wohlbefinden und Lebensqualität, sondern auch den Verlauf von Erkrankungen und den Erfolg einer Behandlung. Deshalb ist es wichtig, bei ersten Anzeichen frühzeitig zu handeln, ärztlichen Rat einzuholen und geeignete ernährungstherapeutische sowie pflegerische Maßnahmen einzuleiten.

Mangelernährung erkennen

Woran erkennt man Mangelernährung?

Die Symptome und Anzeichen einer Mangelernährung sind nicht immer sofort erkennbar. Umso wichtiger ist es, auf Veränderungen des Ernährungszustands frühzeitig zu achten. Ein besonders deutliches Warnsignal ist ein ungewollter Gewichtsverlust. Bereits eine Gewichtsabnahme von 5 bis 10 Prozent innerhalb von 3 bis 6 Monaten kann auf ein erhöhtes Risiko hinweisen.

Weitere typische Anzeichen einer Mangelernährung sind:

  • Appetitlosigkeit,
  • Müdigkeit und Schwäche,
  • Kraftlosigkeit und Abgeschlagenheit,
  • allgemeine Antriebslosigkeit,
  • nachlassende Leistungsfähigkeit. 

Regelmäßige Gewichtskontrollen sind deshalb besonders im Alter und bei Erkrankungen wichtig, um Warnsignale frühzeitig zu erkennen. Werden Veränderungen rechtzeitig bemerkt, kann früh gegengesteuert und das Risiko für weitere Folgen verringert werden.

Test Mangelernährung: Ernährungs-Check
Besteht ein Risiko für Mangelernährung?

Mit unserem Ernährungs-Check unterstützen wir Sie, Ihren derzeitigen Ernährungszustand einzuschätzen. Mithilfe einfacher Fragen können Sie erste Anzeichen einer Mangelernährung identifizieren und feststellen, ob Sie mit Maßnahmen gegensteuern sollten. 

 

Zum Ernährungs-Check

Welche Folgen kann Mangelernährung haben?

Eine Mangelernährung kann schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben, wenn sie unbehandelt bleibt. Schon wenige Tage ohne eine bedarfsdeckende Ernährung können den Ernährungs- und Allgemeinzustand spürbar verschlechtern.

Mögliche Folgen einer Mangelernährung sind:

  • erhöhte Infektanfälligkeit durch ein geschwächtes Immunsystem,
  • erhöhtes Sturzrisiko,
  • Abbau von Muskelmasse und Muskelkraft,
  • gestörte Wundheilung,
  • anhaltende Kraftlosigkeit und Erschöpfung. 

Gerade bei älteren, pflegebedürftigen oder chronisch kranken Menschen können diese Folgen die Selbstständigkeit, Mobilität und Lebensqualität deutlich einschränken. Umso wichtiger ist es, frühzeitig gegenzusteuern und den Ernährungszustand im Blick zu behalten.

Mangelernährung Maßnahmen: Stufen der Ernährungstherapie

Was kann man bei Mangelernährung tun?

Liegt eine Mangelernährung vor oder zeigen sich erste Anzeichen wie ungewollter Gewichtsverlust, sollte frühzeitig gehandelt werden. Ziel ist es, den Körper wieder ausreichend mit Energie, Eiweiß und anderen wichtigen Nährstoffen zu versorgen und eine weitere Verschlechterung des Ernährungszustands zu vermeiden.

Die Behandlung erfolgt meist nach einem Stufenplan. Zunächst wird geprüft, ob sich der Bedarf über die normale Ernährung decken lässt, etwa durch eine Anpassung der täglichen Kost, Speisenanreicherung, Sonderkostformen oder eine gezielte Diätberatung. Reicht dies nicht aus, kann medizinische Trinknahrung sinnvoll sein. Wenn auch damit keine ausreichende Versorgung erreicht werden kann, kommen je nach Situation auch enterale Ernährung über eine Sonde oder parenterale Ernährung über die Vene infrage.

Wirkung von hochkalorischer Trinknahrung

Medizinische Trinknahrung bei Mangelernährung

Reicht die normale Ernährung trotz Anpassung, Speisenanreicherung oder Diätberatung nicht aus, kann medizinische Trinknahrung eine sinnvolle ergänzende Ernährungsmaßnahme bei Mangelernährung sein. Sie liefert in kleinem Volumen viel Energie sowie wichtige Nährstoffe wie Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe und kann helfen, eine bestehende Energie- und Nährstofflücke zu schließen.

Trinknahrung wird in der Regel ergänzend zur normalen Ernährung eingesetzt. Sie kann besonders dann sinnvoll sein, wenn Betroffene nur kleine Mengen essen können, aber dennoch ausreichend versorgt werden müssen.

Häufige Fragen zum Thema Mangelernährung

Wann spricht man von einer Mangelernährung?

Von Mangelernährung spricht man, wenn der Körper zu wenig Energie oder Nährstoffe erhält und dadurch Gewicht, Muskelmasse oder Kraft verliert. Laut Definition der deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) liegt sie vor, wenn

  • der BMI unter 18,5 kg/m2 liegt oder
  • wenn ein ungewollter Gewichtsverlust  von mehr als 10 % des Ausgangsgewichtes in 3 - 6 Monaten oder
  • ein Body-Mass-Index (BMI) < 20 kg/m2 und unbeabsichtigter Gewichtsverlust > 5% in den letzten 3 - 6 Monaten.

Zusätzlich gilt eine Nüchternperiode von mehr als 7 Tagen als Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für eine Mangelernährung.

Wer ist besonders gefährdet, eine Mangelernährung zu entwickeln?

Ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung haben vor allem:

  • ältere Menschen über 65 Jahre, insbesondere bei Zahnproblemen, Appetitverlust oder Schluckstörungen,
  • Menschen mit Krebserkrankungen,
  • Menschen mit neurologischen Erkrankungen, zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder bei Morbus Parkinson oder ALS,
  • Menschen mit chronischen Magen-Darm-Erkrankungen, zum Beispiel bei Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn,
  • Patienten mit chronischen Organerkrankungen, etwa bei Leber- oder Niereninsuffizienz.

Auch pflegebedürftige, hochbetagte und chronisch kranke Menschen haben ein erhöhtes Risiko, insbesondere dann, wenn die Nahrungsaufnahme erschwert ist oder der Nährstoffbedarf erhöht ist.

Woran erkennt man eine Mangelernährung?

Eine Mangelernährung ist nicht immer sofort erkennbar. Häufige Anzeichen sind ungewollter Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Schwäche, Kraftlosigkeit und eine nachlassende Leistungsfähigkeit. Besonders ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust über mehrere Wochen oder Monate sollte ernst genommen werden.

Welche Folgen kann eine Mangelernährung haben?

Bleibt eine Mangelernährung unbehandelt, kann sie schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben. Dazu gehören unter anderem

  • der Abbau von Muskelmasse und Muskelkraft,
  • eine erhöhte Infektanfälligkeit,
  • ein erhöhtes Sturzrisiko,
  • gestörte Wundheilung
  • sowie anhaltende Erschöpfung. 
Wie kann ich Mangelernährung vorbeugen?

Regelmäßige Mahlzeiten, eine ausgewogene und bedarfsgerechte Ernährung sowie die frühzeitige Beobachtung von Gewichtsveränderungen sind entscheidend, um einer Mangelernährung vorzubeugen. Besonders bei älteren oder kranken Menschen sollte das Gewicht regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf ein Ernährungsscreening durchgeführt werden. Auch Appetitlosigkeit, ein verändertes Essverhalten oder ungewollter Gewichtsverlust sollten frühzeitig ernst genommen werden. Bei ersten Anzeichen ist es sinnvoll, ärztlichen Rat einzuholen.

Wann kann Trinknahrung bei Mangelernährung sinnvoll sein?

Trinknahrung kann sinnvoll sein, wenn die normale Ernährung nicht ausreicht, um den Energie- und Nährstoffbedarf zu decken. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Betroffene nur kleine Mengen essen können, ungewollt an Gewicht verlieren oder bereits eine Mangelernährung besteht. Medizinische Trinknahrung wird in der Regel ergänzend zur normalen Ernährung eingesetzt und kann helfen, eine bestehende Energie- und Nährstofflücke zu schließen.

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Mangelernährung ist definiert als ein Zustand des Mangels an Energie, Eiweiß und anderen Nährstoffen. Sie tritt auf, wenn ein anhaltendes Ungleichgewicht zwischen der Nährstoffzufuhr und dem Nährstoffbedarf besteht.
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