Trinknahrung: Compliance im Alltag fördern

Trinknahrung: Compliance im Alltag fördern

Medizinische Trinknahrung kann ein wichtiger Bestandteil der Ernährungstherapie sein, wenn die normale Ernährung nicht ausreicht, um den Energie- und Nährstoffbedarf zu decken. Damit sie ihren Nutzen entfalten kann, muss sie jedoch regelmäßig und über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

In der Praxis zeigt sich: Eine geringe Compliance bis hin zum Abbruch der Ernährungstherapie ist häufig auf ganz alltägliche Gründe zurückzuführen. Geschmack, fehlende Routine, ein schnelles Sättigungsgefühl oder Unsicherheit im Umgang mit dem Produkt können dazu führen, dass Trinknahrung nicht wie empfohlen angewendet wird. Für Fachpersonal lohnt sich deshalb der Blick auf den konkreten Alltag der Patienten.

  • Wann wird die Trinknahrung angeboten?
  • Wie wird sie in den Tagesablauf eingebunden?
  • Ist die Empfehlung verständlich formuliert?
  • Und was genau macht die Einnahme schwierig?
Trinknahrung in den Alltag integrieren

Trinknahrung in den Alltag integrieren

Trinknahrung wird häufig besser angenommen, wenn sie nicht als zusätzliche Aufgabe empfunden wird, sondern einen festen Platz im Tagesablauf bekommt. Hilfreich können feste Zeitpunkte sein, zum Beispiel zwischen den Mahlzeiten, am Vormittag, am Nachmittag oder als Bestandteil einer bereits bestehenden Routine.

Wichtig ist dabei, die Empfehlung möglichst praktisch zu formulieren. Statt nur „1 bis 2 Flaschen täglich“ zu empfehlen, kann es hilfreicher sein, gemeinsam konkrete Einnahmezeiten und Anwendungsmöglichkeiten festzulegen: zum Beispiel zum Frühstück in Joghurt oder Quark eingerührt, am Nachmittag als Kaffee- oder Schokoladenvariante zum Kuchen, abends als „Betthupferl“ oder zwischen den Hauptmahlzeiten.

Akzeptanz Trinknahrung abfragen

Akzeptanz regelmäßig abfragen

Die Akzeptanz von Trinknahrung kann sich im Verlauf verändern. Deshalb ist es sinnvoll, regelmäßig nachzufragen, was die Einnahme erschwert. Mögliche Hürden sind zum Beispiel:

  • Geschmack oder Geruch,
  • zu große Trinkmenge,
  • schnelles Sättigungsgefühl,
  • Trinkdauer,
  • ungünstiger Einnahmezeitpunkt,
  • Unsicherheit bei der Anwendung.

Erst wenn die konkrete Hürde bekannt ist, lässt sich die Empfehlung sinnvoll anpassen.

Kleine und realistische Ziele vereinbaren

Die Einnahmedauer von Trinknahrung kann je nach individuellem Bedarf unterschiedlich sein. Manchmal reichen wenige Wochen aus, in anderen Fällen kann die Ernährungstherapie mehrere Monate dauern. Das klingt für Patienten zunächst oft nach einer langen Zeit.

Gerade zu Beginn kann es deshalb hilfreich sein, mit kleinen, machbaren Zielen zu starten. Statt direkt größere Mengen über einen langen Zeitraum einzuplanen, kann die Einnahme schrittweise aufgebaut werden, zum Beispiel mit 1 bis 2 Flaschen pro Tag oder mit kleineren Portionen über den Tag verteilt. Auch ein erstes Zwischenziel, etwa für die kommenden vier Wochen, kann die Umsetzung erleichtern.

Praxistipp

Manchmal kann es zusätzlich hilfreich sein, ein Ernährungstagebuch zu führen. So werden Fortschritte sichtbarer, zum Beispiel eine Gewichtszunahme, mehr Kraft im Alltag oder ein verbessertes Energielevel.

Wenn Patienten die Trinknahrung gut in ihren Alltag integrieren können und erste Erfolge wahrnehmen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Ernährungstherapie langfristig eingehalten wird.

Zum Ernährungstagebuch
Trinknahrung abwechslungsreich anwenden

Trinknahrung abwechslungsreich anwenden

Trinknahrung abwechslungsreich anwenden

Nicht immer entscheidet allein das Produkt über die Akzeptanz, sondern auch die Art der Anwendung. Trinknahrung gibt es nicht nur in flüssiger Form zum Trinken, sondern auch als Creme oder Pudding zum Löffeln. Außerdem stehen unterschiedliche Geschmacksrichtungen zur Verfügung – von fruchtig bis herzhaft. Auch 100 % pflanzliche Varianten sind erhältlich.

Leicht gekühlt schmeckt medizinische Trinknahrung häufig besonders gut. Varianten mit Schokolade, Kaffee oder Cappuccino können auch als energiereiches Heißgetränk zum Frühstück oder zum Kuchen angeboten werden.

Zusätzlich lässt sich Trinknahrung nicht nur pur trinken, sondern auch vielseitig in den Speiseplan integrieren und für die Zubereitung von Mahlzeiten nutzen.

Sie kann zum Beispiel:

  • als Eiswürfel, Eislutscher oder in Eiskaffee und Eisschokolade verwendet werden,
  • mit pürierten Früchten zu einem Smoothie verarbeitet werden,
  • als Soße über klein geschnittenes Obst oder als Topping für Desserts dienen,
  • in Joghurt, Quark oder Pudding eingerührt werden,
  • Milch oder Sahne ersetzen, zum Beispiel in Müsli, Rührei, Kartoffelpüree, Suppen oder Soßen.

So kann Trinknahrung mehr Abwechslung in den Speiseplan bringen und die regelmäßige Einnahme im Alltag erleichtern.

Zu den Rezepten mit Trinknahrung

Ein Tipp für mehr Abwechslung

Bei vielen Trinknahrungen ermöglichen Mischkartons mehr Vielfalt im Alltag und eignen sich gut, um die Lieblingssorte zu finden.

Nutzen verständlich erklären

Patienten nehmen Trinknahrung eher regelmäßig ein, wenn sie verstehen, warum sie empfohlen wurde. Dabei sollte der Nutzen möglichst konkret erklärt werden. Statt abstrakt von „mehr Kalorien“ oder „zusätzlicher Energie“ zu sprechen, können alltagsnahe Ziele besser nachvollziehbar sein.

Trinknahrung kann zum Beispiel dabei unterstützen,

  • das Gewicht zu stabilisieren,
  • Kraft und Energie zu erhalten,
  • Mangelernährung vorzubeugen oder auszugleichen,
  • Therapien besser durchzustehen,
  • die Wundheilung zu unterstützen,
  • den Alltag leichter zu bewältigen.

Eine verständliche Erklärung kann dazu beitragen, die Motivation zu stärken und die regelmäßige Einnahme zu fördern.

Compliance beginnt mit Beratung

Fazit: Gute Compliance beginnt bei der Beratung

Trinknahrung wirkt nur dann unterstützend, wenn sie regelmäßig und über einen längeren Zeitraum eingenommen wird. Deshalb beginnt gute Compliance nicht allein beim passenden Produkt, sondern vor allem bei einer Beratung, die den Alltag der Patienten berücksichtigt.

Wer individuelle Hürden kennt, Empfehlungen verständlich formuliert und gemeinsam realistische Ziele vereinbart, kann Patienten besser dabei unterstützen, Trinknahrung langfristig in den Alltag zu integrieren.

Weitere Informationen zur Einnahme und Anwendung von Trinknahrung finden Sie auf DOLPEDIA:

Tipps zur Einnahme und Anwendung

Häufige Fragen zur Trinknahrung und Compliance

Was bedeutet Compliance bei Trinknahrung?

Compliance bei Trinknahrung bedeutet, dass die empfohlene Menge regelmäßig und über den vorgesehenen Zeitraum eingenommen wird. Entscheidend ist nicht nur, dass Trinknahrung verordnet oder empfohlen wird, sondern dass sie im Alltag auch tatsächlich genutzt werden kann.

Was tun, wenn Patienten die empfohlene Menge Trinknahrung nicht schaffen?

Dann sollte die Empfehlung nicht einfach unverändert wiederholt werden. Sinnvoll ist es, gemeinsam zu prüfen, woran es liegt: Ist die Menge zu groß, der Zeitpunkt ungünstig oder macht die Trinknahrung zu schnell satt? Häufig helfen kleinere Portionen, eine andere Tagesverteilung oder ein schrittweiser Aufbau.

Wann sollte die Einnahme von Trinknahrung überprüft werden?

Eine Überprüfung ist sinnvoll, wenn die Trinknahrung nicht regelmäßig eingenommen wird, Beschwerden auftreten, das Gewicht weiter sinkt oder sich der Ernährungszustand verändert. Auch nach einigen Wochen sollte kontrolliert werden, ob Menge, Sorte, Einnahmezeitpunkt und Therapieziel noch passen.

Warum sollte Trinknahrung nicht einfach abgesetzt werden?

Wenn Trinknahrung medizinisch notwendig ist, kann ein vorzeitiges Absetzen dazu führen, dass der Energie- und Nährstoffbedarf wieder nicht gedeckt wird. Das kann Gewichtsverlust, Kraftverlust oder eine bestehende Mangelernährung verstärken. Änderungen sollten deshalb möglichst mit dem behandelnden Arzt oder Fachpersonal abgestimmt werden.

Wie lange sollte Trinknahrung eingenommen werden?

Die Einnahmedauer hängt vom individuellen Ernährungszustand, dem Therapieziel und der Grunderkrankung ab. In manchen Fällen reichen wenige Wochen aus, in anderen Situationen kann Trinknahrung über mehrere Monate notwendig sein. Wichtig ist eine regelmäßige Kontrolle, ob die Ernährungstherapie noch erforderlich ist und ob die Ziele erreicht werden.

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